Die Macht der Bücher …

Wer Bücher liebt, der kennt ihn, diesen ganz eigenen Zauber, den sie auf einen ausüben können. In Mikkel Birkegaards Roman „Die Bibliothek der Schatten“ wird zwischen diesen „normalen“ Bücherliebhabern und spezieller begabten Bibliophilen unterschieden. Diese haben weiterreichende Interessen am gedruckten Wort …

Rezension: Die Bibliothek der Schatten

Luca Campelli ist ein Antiquar wie aus dem Bilderbuch – möchte man sagen. Seine „Liebe zur Literatur offenbarte sich jedem Kunden schon nach wenigen Sätzen, und dabei war es vollkommen unwesentlich, ob es sich um ein abgenutztes Taschenbuch oder eine seltene Erstausgabe handelte. Ein solches Wissen zeugte von einem langen Leben mit Büchern.“ Nur wenigen seiner Besucher ist aber klar, dass dieses Leben an der Seite der abgegriffenen Taschenbücher und schweren Folianten ihm manches Abenteuer beschert hat, dass man ihm so nicht zutrauen würde. Trotz seiner Kenntnis um die Mächte und Kräfte des gedruckten und gelesenen Wortes fällt er diesen zum Opfer.

Das etwas andere Erbe

Als sein Sohn Jon, begabter Anwalt und den Büchern entsagend, das ererbte Antiquariat „Libri di Luca“ betritt, macht er die Bekanntschaft von Mitgliedern einer geheimen Gesellschaft, zu der auch sein Vater gehörte. Diese haben die Macht die Gedanken und Gefühle eines jeden Menschen zu beeinflussen, der gerade etwas liest. Sie können die Menschen mit zum Weiterlesen verführen, fast greifbare Welten vor dem geistigen Auge entstehen lassen. Dabei gibt es dann auch manche, die sogar noch die Gedanken des Lesenden in ihrem Sinne beeinflussen können. Eine wunderbare Vorstellung für alle Bücherfans unter uns. Doch nur zu schnell muss Jon erkennen, dass es nicht alle Mitglieder der Bibliophilen Gesellschaft gut mit ihm und der Welt meinen. Eine gigantische Verschwörung zeichnet sich ab.

Indem er sich wieder den Büchern zuwendet und in Verbindung damit echten Zugang zu anderen Menschen findet, erwacht Jon aus seiner selbst gewählten Gefühls-Lethargie und Einsamkeit. In dem er das väterliche Erbe – nicht nur das materielle – wirklich annimmt, findet er zu sich selbst. Zu einem bedrohten Selbst, wie sich nur zu bald zeigt.

Vergleiche schwingen mit

Spannend und fesseln und sprühend vor Ideen ist dieses Buch über Bücher. Dem Leser fliegen die Seiten geradezu dahin. Bei diesem Thema tauchen im Kopf des Lesers schnell Gedanken an andere Werke zum Thema auf, etwa „Die unendliche Geschichte“ oder „Tintenherz“. Doch im Gegensatz zu diesen Büchern, die ein Abtauchen in die Phantasiewelten aufzeigen, bleibt Birkegaard mehr in der Wirklichkeit verhaftet. Dabei schildert er im Kontext der bedruckten Seiten sehr weltliche Thematiken. Machtstreben und Machtmissbrauch sind wohl unendliche Themen – hier werden sie aber frisch und unverkrampft  präsentiert. Mit einem netten Gedanken als Aufhänger: Auch Bücher haben eine Seele. Auch wenn sie niemanden zu einem besseren Menschen machen …

(Gisela Stummer, academicworld.net)

 

512 Seiten

Goldmann Verlag (16. Mai 2011)

9,99 Euro

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