Die ich rief die Geister …

Schon Dichterfürst Johann Wolfgang wusste, dass mit Geistern und Geisterbeschwörung nicht zu spaßen ist. In Jenny-Mai Nuyens Roman „Noir“ muss der junge Nino das geradezu körperlich erfahren.

Ninos Leben liegt öfter mal in Scherben. aboutpixel.de / crash II © Petra Bork

Gläser rücken und Party machen

Die Eltern mit fünf verloren, seitdem den Tod und das Schicksal der Menschen erspürend, bei der lesbischen Halb-Schwester und deren wechselnden Lebensgefährtinnen aufgewachsen – Nino Sorokin ist alles andere als ein normaler junger Mann. Dass er sich seinem 24. Geburtstag nähert,  von dem er weiß, dass er ihn nicht lange überleben wird, macht die Sache nicht leichter. Seit jeher ist er auf der Suche nach dem Übernatürlichen,  um an seinem Schicksal vielleicht doch noch etwas zu ändern, als es ihm aber dann in einer Partynacht mit Gläser rücken in Gestalt der geheimnisvollen Noir wirklich begegnet, ist er bald überfordert davon …

Die ich rief die Geister …

Ungewöhnliches Konzept

Im Gegensatz zu den Modellen traditioneller Initiations-Geschichten muss sich Nino erst komplett selbst verlieren um sich zu finden. Für gewöhnlich ist der komplette Selbstverlust ja das Ende des Protagonist, hier aber glimmt ein Hoffnungsschimmer durch, egal ob Nino letztlich überlebt oder nicht, sein Verlust wird als Opfer interpretiert, als Opfer aus Liebe und dadurch verhältnismäßig positiv bewertet. Diese Variation des Altbekannten, genau wie der offen gehaltene Schluss, das Spiel mit den Realitätsebenen und der ungewöhnliche Aufbau lassen den Leser oft aber auch nur verwirrt zurück. Zumal sich die Spannung sehr bedächtig aufbaut und viel von Ninos Charakter im Unklaren bleibt. Eine ungewöhnliche Geistergeschichte aus Berlin, nicht so ganz fesselnd, aber schon mit einer gewissen Faszination …

Gisela Stummer (academicworld.net)

Jenny-Mai Nuyen. Noir
14,95 Euro. Rowohlt Polaris

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