Die hysterischen Leiden der Frauen: „In guten Händen“

Mortimer Granville, Arzt im 19. Jahrhundert, widmet sich dem Thema der Hysterie, die gängige Frauenkrankheit jener Zeit. Durch die spezielle Behandlungsmethode kommt ihm bald eine erfolgsversprechende Idee: die Entwicklung des Vibrators.

Wie es zur Erfindung des Vibrators kam …

London, 1880: Der leidenschaftliche junge Arzt Mortimer Granville ist auf der Suche nach einer Anstellung, bei der er seinem Berufsethos gerecht werden kann. Dabei lernt er den Experten für Hysterie und Frauenleiden, Dr. Robert Dalrymple, kennen und beginnt in dessen Praxis zu arbeiten. Zur Heilung legen Dalrymple und sein junger Kollege an ziemlich intimen Stellen Hand an – und haben damit durchschlagenden Erfolg.

Doch als Mortimer immer häufiger unter Krämpfen in seinen Händen leidet, findet seine medizinische Laufbahn ein jähes Ende. Und auch die geplante Verlobung mit Emily, der Tochter seines Arbeitgebers, geht in die Brüche.

Da kommt ihm eine Idee. Mit seinem alten Freund und Wissenschaftler Edmund St. John-Smythe, der vor allem auf dem Gebiet der Elektrizität forscht, entwickelt er den ersten Vibrator und erweist damit nicht nur seinen hysterischen Patientinnen, sondern auch der sexuellen Befreiung der Frau im Allgemeinen einen großen Dienst. Ganz nebenbei kommt er dabei auch noch Emilys fortschrittlicher und ungestümer Schwester Charlotte näher.

Zwischen Tradition und Fortschritt

„In guten Händen“ ist eine Komödie, die sich dem Beginn der sexuellen Befreiung der Frau im 19. Jahrhundert zum Thema gemacht hat. Dabei verkörpern die beiden unterschiedlichen Töchter des Dr. Dalrymple zwei verschiedene Generationen. Emily (Felicity Jones) ist die unterwürfige, naive, zurückhaltende Frau, die sich den gesellschaftlichen Regeln beugt, bei der Verlobung auch auf Gefühle verzichten kann und von ihrem alternden Vater Lob und Anerkennung erntet. Dieser ist überzeugt davon, dass die hysterischen Leiden der Frauen als Krankheit zu sehen sind und nur durch seine einzigartige medizinische Behandlung – die Massage des Genitalbereichs – auszukurieren seien.

Dagegen bereitet ihm Charlotte, die den Inbegriff einer fortschrittlichen jungen Frau darstellt, die größten Sorgen. Sie setzt sich sehr energisch für die Armen der Gesellschaft ein und geht dafür sogar ins Gefängnis. Als Einzige erkennt sie, unter welchen Problemen die angeblich hysterischen Frauen ihrer Zeit tatsächlich leiden, nämlich sexueller Frustration und Unterdrückung.
Obwohl Mortimer Granville als junger aufstrebender Arzt durch seine fortschrittliche und moderne Arbeitsweise bei einigen traditionsverhafteten Arbeitgebern aneckt, fühlt er sich zunächst mehr zu der biederen Emily hingezogen und ist von der selbstbestimmten Charlotte abgeschreckt. Erst nach und nach lässt er sich von deren Ansichten überzeugen und steht auch öffentlich für sie ein.

Zwischen Witz und Fremdschämen

Ihre witzigsten Momente verdankt die Handlung vor allem den Figuren der spritzigen Charlotte, die von Maggie Gyllenhall gespielt wird, sowie des extravaganten, dandyhaften Edmund St. John-Smythe alias Rupert Everet, die beide stark überzogen dargestellt werden. Dagegen bringen andere Szenen, die humorvoll gemeint sind, den Zuschauer leider nur zum Fremdschämen. Dies geschieht gerade dann, wenn hysterische Patientinnen während der Behandlung in Ekstase geraten und Opernarien zum Besten geben. Dabei wird die ganze Thematik nur unnötig ins Lächerliche gezogen. Ein bisschen weniger Dramatik hätte hier gut getan. Auch die Verhandlungsszene kurz vor Ende des Films, in der Charlotte im Gerichtssaal eine flammende Rede für die Frauen ihrer Zeit hält, ist übertrieben.

Romantisch, wenn auch äußerst vorhersehbar, ist dagegen die Beziehung zwischen Charlotte und Mortimer, die sich nach anfänglicher Abneigung, zwischen den Beiden entwickelt.

Fazit

„In guten Händen“ ist eine romantische Komödie mit einigen witzigen Charakteren, die für mehrere lustige Momente sorgen. Stellenweise neigt sie aber leider auch zu lächerlichen Übertreibungen, auf die man – trotz der speziellen Thematik – besser verzichten hätte sollen.

(MTS, academicworld-userin)

„In guten Händen“ – ein Film von Tanya Wexler
Schauspieler:
Maggie Gyllenhaal, Hugh Dancy, Jonathan Pryce, Rupert Everett, Felicity Jones

Kinostart: 22. Dezember 2011


Stand: November 2011

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