Die hohe Kunst der Minne

Mit Walther von der Vogelweide und Tanja Kinkel auf ins Mittelalter!

Die hohe Kunst der Minne

Den meisten wird er höchstens noch mit seinem“Ich saz ûf eime steine“ aus der Schulzeit ein Begriff sein, andere werden ihn aufgrund ihres Germanistikstudiums etwas näher kennen: Die Rede ist von Walther von der Vogelweide, einem der wichtigsten Poeten des Mittelalters. Tanja Kinkel, arrivierte Autorin historischer Romane, allen voran „Die Puppenspieler“, hat sich nun der schillernden Gestalt angenommen und sie in einen großen Roman eingebettet. Dies gilt nicht nur für den Inhalt des Buches, auch der Umfang von 920 Seiten lässt auf ein echtes Schwergewicht schließen.

Eine Version, die einfach Spaß macht

Gekonnt packt sie Walthers Leben in detailreiche und bunte Bilderbögen, die den Leser wirklich in die Welt des Mittelalters, hineinziehen. Auch wenn es anders verlaufen sein mag, das Leben Walthers – diese fabulierfreudige Geschichte Tanja Kinkels macht einfach Spaß. Sie zeichnet einen Walther, dessen vorstechendes Merkmal wohl sein vorlautes Mundwerk ist, das ihn des Öfteren in Schwierigkeiten bringt. Mit seinen Wesenszügen nimmt Walther die viel später folgende „Sturm-und-Drang-Periode“ voraus – Kinkel zeigt einen ungestümen Revoluzzer, der gerade durch seine Unangepasstheit in Erinnerung blieb und bleibt.

Leider bleibt es bei einer Länge von oben genannten 920 Seiten nicht aus, dass sich Längen in die Geschichte von Walther, dessen Leben und seiner Liebe zur Ärztin Judith einschleichen. Hier hätte das Lektorat vielleicht korrigierend eingreifen können. So oder so bleibt „Das Spiel der Nachtigall“ ein bunter, detail- und kenntnisreicher Blick auf einen der größten Poeten aller Zeiten, der einen neuen und unverstellten Blick auf einen Charakterkopf erlaubt, der uns auch heute noch beschäftigt!

Marius Müller (academicworld.net-User)

Tanja Kinkel. Das Spiel der Nachtigall
12,99 Euro. Knaur

 

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