Die Gefahren der Literatur

Die Echsen herrschen, die Literatur bestimmt das Leben, Terroristen töten mittels explodierender Bücher – Lavie Tidhars „Bookman“ strotzt nur so vor kreativen Ideen. Atemlos hetzt er seine Protagonisten durch ein viktorianisches Steampunk-Setting mit Science-Fiction Anleihen.

Die Gefahren der Literatur

Waisenkind und Weltenretter

Orphan wäre gern ein großer Dichter. Kein Wunder in einer Welt wie seiner, wo die echsenhaften Adligen im englischen Weltreich die Literatur zur Staatsraison gemacht haben. In diesem „Ewigen Empire“ begegnen einen auf Schritt und Tritt literarische und reale Figuren in völlig neuem Kontext. Nachdem seine Freundin Lucy bei einem Anschlag des Bookman – ein geheimnisvoller Terrorist, der mit Büchern tötet – ums Leben kam, bekommt es Orphan etwa mit Kommissarin Irene Adler zu tun. Obwohl sich Tidhar im literarischen Universum großzügig und großräumig bedient, scheinen es ihm die Gestalten aus der Bakerstreet 221b besonders angetan zu haben. So trifft der Leser neben Sherlock und Irene auch auf Moriarity und Mycroft.

Jedenfalls bringt Adler Orphan, den Mann der seine Eltern nicht kannte, auf die Idee, den Versuch zu starten, seine geliebte Lucy aus dem Reich der Toten zurückzuholen. Wie ehedem Orpheus auf der Suche nach Eurydike muss er dazu aber dunkle und gefahrvolle Pfade beschreiten und erfährt dabei Dinge über sich selbst, die er nie für möglich gehalten hätte. Kann und muss er schließlich mehr als seine Liebste retten?

Wirre Verweise

Obwohl die Ideen, die Tidhar da auspackt durchaus charmant und einfallsreich sind, ist der „Bookman“ irgendwie nicht restlos überzeugend. Die Story ist irgendwann eher wirr und auch die Spannung starken Schwankungen unterzogen. Viele Anspielungen wissen zu gefallen, das Ganze ist durchaus unterhaltsam, aber nicht uneingeschränkt weiterzuempfehlen. 

Gisela Stummer (academicworld.net)

Lavie Tidhar. Bookman: Das Ewige Empire 1
16,99 Euro. Piper

 

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