Die Fragen des Lebens

Was oder wer wollen wir sein, wenn wir groß sind? Eine Frage, die sich so mancher bis dato nicht beantworten kann. Sheila Heti ist eine Autorin, die sich mit ihrem „Roman aus dem Leben“ dieser Frage stellt. Oder auch nicht, je nachdem wie man es nimmt.

Wir alle machen uns viele Gedanken. Darüber, was wir zu Mittag essen wollen, ob wir gerade jetzt einen Kaffee trinken sollten. Ob wir das blaue Shirt hätten anziehen sollen oder gestern mit den Freunden doch lieber nicht zum Fußball. Oder ob wir die richtige Karriere eingeschlagen haben, wohin wir im Leben wollen, ob wir uns auf dem richtigen Weg für uns selbst befinden. Zum Glück sind wir nicht die Einzigen, die sich darüber Gedanken machen. Die Generation vor uns, die in den 70ern geboren wurden, schreiben jede Menge Bücher dazu. Wer wo was und wie sollten wir sein? Das sind die, die bald 40 sind und sich verhalten, als wären sie 25. Mit der vermeintlichen Weisheit einer erwachsenen Frau um sich werfen. Die glauben, sie haben endlich begriffen, wie das Leben läuft und sich insgeheim fragen, wann die Welt das auch endlich versteht. Deren Werke dann auch noch als literarische Sensation gelten.

Sheila Heti ist eine dieser Autorinnen und hat ein solches Buch geschrieben. Auf den ersten Seiten schreibt sie, dass sie beim letzten Blowjob ein bisschen gekotzt hat, aber den Job einfach durchgezogen hat. Soll das den Leser jetzt schockieren? Vielleicht möchte sie, dass wir stolz auf sie sind, da knallhart durchgehalten. Es ist ein bisschen ekelhaft, aber viel weiter dürfte das den Leser nicht interessieren. Als literarischen Erguss würde ich das jedoch nicht bezeichnen.

Die psychologische Komponente

Es folgen Gedanken darüber, dass sie Frauen als Freundinnen noch nie trauen konnte. Das liegt natürlich daran, dass sie im Alter von zehn Jahren von ihrer damaligen BFF (best friend forever) verraten wurde. Damit wären wir beim psychologischen Drama angekommen, das diese arme Frau so nachhaltig geprägt hat. Frauen und gegenseitige Freundschaft, das kann sich doch nicht vertragen. Die Autorin ist also unfähig, mit Vertreterinnen ihres Geschlechts eine freundschaftliche Beziehung einzugehen und wer ist daran schuld? Natürlich nicht sie. Die Gesellschaft macht sie zu dem, was sie ist. Unmöglich, dass sie einfach auf die Idee kommt, sich bewusst gegen eine solche Einstellung zu entscheiden. Vielleicht will sie aber auch nur auf primitive Art versuchen, sich abzugrenzen. Der Welt zeigen, dass sie keine vermeintlich klischeehafte Frau ist. Alles in allem wirkt es so, als wolle sie die Leser davon überzeugen, dass sie zu den wirklich coolen Kindern gehört. Abseits des Mainstreams, selbstverständlich. Wozu diese Selbstdarstellung? Es geht hier nicht um den Sinn für eine Generation, die Lebensart oder wie man selbst sein sollte.

Insgesamt ist es eine Art Bericht darüber, der die Entstehung einer Frauenfreundschaft beschreibt, die dem Leser so gar nichts gibt. Keine wesentliche Information, keine interessante Entwicklung, keine Schlussfolgerung, die man sich ziehen kann. Außer, dass das Buch einfach überflüssig ist. Offenbar unterscheiden sich die Generationen erheblich. Es braucht mehr als ein Buch über Andersartigkeit und sexuellen Eskapaden, um uns zu schockieren oder den richtigen Weg im Leben für sich selbst zu finden.

Bettina Riedel (academicworld.net)

Sheila Heti. Wie sollten wir sein?

Rowohlt. 19,95 Euro.

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