Die Ewigkeit eines Moments

Spätestens seit Dan Browns „Illuminati“ weiß fast jeder, was die Institution „CERN“ ist. Um diesen Teilchenbeschleuniger geht es auch bei Thomas Lehr, nur, dass dessen Version vom Motto ‚Lebe im Moment!‘ dezent die Vorstellungsmöglichkeiten seiner Charaktere sprengt und unsere gleich mit.

Eine bunt gemischte Besuchergruppe besichtigt die unterirdische Anlage des weltbekannten Teilchenbeschleunigers CERN in der Schweiz. Als ein Teil von ihnen wieder die Oberfläche erreicht, betreten sie ein „Gemälde“: Die Zeit steht still und hat alle Dinge und Lebewesen wie fotografiert erstarren lassen. Bis auf die Besuchergruppe. Nach ersten Panikattacken ersinnen sie schnell einen Namen für die Erstarrten: Die Chronifizierten.

Was mit einem abrupten Schock beginnt, wird letztendlich Jahre dauern: Nichts löst die Erstarrung und die nicht-Chronifizierten müssen ihr Überleben sichern. Zwar verhalten Sie sich zunächst weiterhin wie fast normale Menschen – doch ganz einfach ist die Situation leider auch nicht. Über die Jahre hinweg werden sie durch Krankheiten und mörderische Anfälle dezimiert. Sogar Parallelgesellschaften entwickeln sich.

War der Stillstand der Zeit der zweite Urknall der Erde oder sind sie am Ende Teil eines unfassbaren Experiments?

Das Urteil

Eine Rezension soll zunächst ja ein eindeutiges Urteil beinhalten. Das geht in diesem Fall leider nicht: Ich weiß nicht, was ich von dem Buch halten soll. Einerseits ist es ein interessantes Szenario und der Autor schreibt ja nicht nur vor sich hin, sondern verwendet auch „intelligente“ Metapher und Gleichnisse wie das Pfeil-Paradox von Xenon von Elea. Trotzdem wirkt ein großer Teil des Texts schon überflüssig – und das bei einer sehr komplizierten Sprache und Syntax.

Auch nach einigen Jahren ist das grundlegende Szenario der Handlung immer noch das gleiche. Oftmals kommt es zu Ortswechseln, die nicht ganz nachzuvollziehen sind. Und wenn es dann zu Vergewaltigungen der Chronifizierten kommt, will man eigentlich gar nicht weiterlesen. Ein schreckliches Thema unfassbar neutral dargestellt. 

Um alle Referenzen zu verstehen, muss man vermutlich auch einiges von Physik verstehen – was bei mir einfach nicht der Fall ist – ungünstig. Alles in allem bleibt ein riesiges Fragezeichen, wenn die letzte Seite ausgelesen ist.

42 ist halt doch nicht die Antwort auf alles.

Kathrin Schmidt (academicworld.net-userin)

Thomas Lehr. 42.
10,90 Euro. dtv.

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