Die etwas andere Art der Selbstfindung

David McGregor scheint für die Welt der Inbegriff des bankrotten Bankensystems zu sein: Als charismatischer Investmentbanker ist er für enorme Verluste seiner Anleger verantwortlich. Nun hat er sich als Walretter neu erfunden. Doch dann bekommt die emotional verwickelte Top-Journalistin Leah Cullin Wind davon, dass er möglicherweise Spendengelder veruntreut. Der perfekte Zeitpunkt, um eine persönliche Rechnung zu begleichen?

Buchrezension Lied der Wale, Daniel Thomas
Lied der Wale, Daniel Thomas

Eigentlich sollte Leah Cullin glücklich sein. Als Top-Journalistin hat sie ihren Traumjob gefunden, ihr Chef ist ihr Partner, die Verlobung steht kurz bevor und ihr Sohn aus erster Ehe akzeptiert langsam, aber sicher den neuen Mann im Haus. Trotzdem scheint etwas nicht zu harmonieren, denn im Inneren wehrt sie sich mit Klauen gegen die Verlobung.

Als ihr dann die Information zugespielt wird, der ehemalige Investmentbanker David McGregor könnte wieder Gelder veruntreuen, scheint die perfekte Ablenkung und der optimale Zeitpunkt für eine persönliche Rechnung gefunden. So lässt die Journalistin alles stehen und liegen und begibt sich auf einen aufwühlenden Wellenritt an Bord der SeaSpirit, um als vorgebliche Reporterin von National Geographic einen Bericht über die Walretter zu verfassen.

Was tun?, sprach Zeus.

Doch ganz so einfach läuft das Vorhaben dann doch nicht ab. Schnell wird Leah klar, dass das Charisma des David McGregor immer noch anziehend auf sie wirkt, zum anderen scheinen die Informationen über die Veruntreuung nicht korrekt zu sein. Doch nicht nur das: Könnte David tatsächlich selbst Opfer des damaligen Skandals sein?

Gefangen in ihrem eigenen Netz aus Vergangenheit, Lüge, Emotionen und Selbstzweifel offenbart sich nicht nur der Journalistin peu à peu, was sie sich vom Leben sich eigentlich wünscht, was wirklich zählt und welche Entscheidungen sie zu treffen hat, um an ihr Ziel zu gelangen.

Das perfekte Team

Unter dem Motto „Wenn einer eine Reise macht, …“ nehmen die beiden Autoren Daniel Maximilian und Thomas Pauli (= das Pseudonym Daniel Thomas) den Leser mit in eine Welt, in der sich die scheinbar banalen Fragen der Liebe mit den essentiellen Themen des Lebens mischen. Anstatt einer abgedroschenen Liebesgeschichte fühlt der Leser eine etwas andere Art der Selbstfindung, gemischt mit einem wichtigen Thema aus unserer Realität und erlebt die Erzählung, als wäre man tatsächlich selbst ein Teil von ihr. Etwas Leah Cullin steckt wohl in Jedem von uns. Oder wir in Leah Cullin?

Insgesamt ein Buch, das fesselt, Kopf und Herz beschäftigt, seine Wirkung auch nach dem Schließen der letzten Seite nicht verliert und meiner Meinung nach unglaubliches Potenzial zur Verfilmung vorweisen kann!

Bettina Riedel (academicworld.net)

Daniel Thomas – Das Lied der Wale
14,90 Euro. DTV Premium

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