„Die Erde ist eine Erinnerung, um die es sich zu kämpfen lohnt.“

Zum Kinostart des Zukunft-Action-Reißers mit Tom Cruise ein Interview mit Zukunftsforscher Dr. Robert Gaßner vom Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung in Berlin – und ein Gewinnspiel. Der Film startet am 11. April in den deutschen Kinos.

"Die Erde ist eine Erinnerung, um die es sich zu kämpfen lohnt."

Regisseur Joseph Kosinski zeichnet mit seinem neuen Film „Oblivion“ seine Vision einer postapokalyptischen Zukunft nach. Mit spektakulären Bildern entführt er die Zuschauer ab 11. April in eine futuristische neue Lebenswelt mit all ihren Gefahren, aber auch innovativen Technik Gimmicks: Nach einer Apokalypse hat die Menschheit den Planeten Erde verlassen und lebt schon seit Jahrzehnten hoch über den Wolken. Der Technikspezialist Jack Harper ist einer der wenigen Menschen, die noch auf der fast verwüsteten Erde stationiert sind, um nach lebenswichtigen Ressourcen zu suchen. Dabei wird ihm immer bewusster: „Die Erde ist eine Erinnerung, um die es sich zu kämpfen lohnt.“

Oblivion

Regie: Joseph Kosinski
Darsteller: Tom Cruise, Morgan Freeman, Olga Kurylenko, Andrea Riseborough, Nikolaj Coster-Waldau, Melissa Leo

Im Verleih von Universal Pictures
 

"Die Erde ist eine Erinnerung, um die es sich zu kämpfen lohnt."
Dr. Robert Gaßner ist Zukunftsexperte

Nicht nur Filmemacher malen sich das Leben in der Zukunft aus, es gibt auch Wissenschaftler, die sich mit möglichen Zukunfts-Szenarien beschäftigen. Wir haben den Film zum Anlass genommen, mit Dr. Robert Gaßner vom Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung in Berlin über unsere Zukunft zu sprechen.

Dr. Gaßner, kann man die Zukunft mithilfe der Zukunftsforschung vorhersehen?
Zukunft ist nur in sehr begrenztem Ausmaß vorhersehbar. Ein vielzitiertes Bonmot von Mark Twain besagt denn auch, dass Prognosen insbesondere dann schwierig sind, wenn sie sich auf die Zukunft beziehen. Und der französische Flieger und Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry ging noch einen Schritt weiter und forderte imperativ: „Die Zukunft soll man nicht voraussehen wollen, sondern möglich machen.“ Die beste Möglichkeit Zukunft vorherzuwissen ist demnach, sie selbst (mit) zu gestalten.

Und wie geht das?
Wir alle gestalten Zukunft bereits heute und in jeder Minute – egal ob als Wahlbürger, Konsumenten, Verkehrsteilnehmer, Eltern, Studenten oder als Arbeitnehmer, Lehrer, Beamte, Politiker. Wenn wir nun aber alle unsere Zukunft selbst beeinflussen, professionell und privat, sollten wir wissen, wo wir eigentlich hinwollen. Das heißt, wir brauchen ein Bewusstsein für unsere privaten und beruflichen „Wirkfelder“ und wir brauchen vor allem Ziele, die unser Handeln leiten können. Ohne Visionen – mehr oder weniger utopische, teils aber auch sehr konkrete – für ein sinnerfülltes Leben und eine lebenswerte Welt, haben wir weder in unserem privaten Alltag noch in unserem professionellen Umfeld ausreichend Orientierung, um wichtige Handlungsalternativen zu erkennen.

Interessant. Das heißt wir sollten also zunächst überlegen, in welcher Zukunft wir eigentlich leben wollen?
Ganz genau. Wir müssen uns fragen, was aus unserer Sicht eine  gute Entwicklung oder allgemeiner ein gutes Leben ist. In unserem Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung arbeiten wir so zum Beispiel – ähnlich wie der Film „Oblivion“ – mit Szenarios, also Bildern der Zukunft.

Betreibt der Film in gewisser Weise also auch Zukunftsforschung?
In gewisser Weise schon. Zukunftsbilder haben seit jeher die Menschen inspiriert, das Denken in künftigen Möglichkeiten angeregt und kreative Impulse vermittelt. Sei es als Warnung, sei es als visionäres Wunschbild – Zukunftsbilder können dem Handeln Orientierung geben.

Wie wahrscheinlich ein solches Szenario tatsächlich ist, ist insofern gar nicht die entscheidende Frage. Es kommt vielmehr darauf an, dass es uns hilft, unsere Erwartungen an die Zukunft zu konkretisieren. Im Falle von „Oblivion“ sind natürlich auch einige Science-Fiction-Elemente enthalten, die rein auf Fantasie basieren oder hauptsächlich dazu dienen, den Plot spannend zu machen. Hier können Zukunftsforscher, die mit Szenarios arbeiten, sich übrigens sogar den einen oder anderen „Trick“ von gut gemachter Science-Fiction abgucken, denn auch wissenschaftliche Szenarios müssen ein Mindestmaß an Spannung vermitteln, sonst macht es zu wenig Spaß, sich damit zu beschäftigen. Grundsätzlich helfen solche „erzählten“ Bilder mögliche Ausformungen zukünftiger Innovationen in ihren lebensweltlichen Anwendungskontexten zu veranschaulichen – sie sollen zum Nachdenken und zum Mitdiskutieren anregen, insbesondere über Wünschenswertes und Risiken, und damit letztlich die Entwicklung konkreter Umsetzungs- oder gegebenenfalls Vermeidungsmaßnahmen unterstützen.

In generellerem Sinne sollen unsere Zukunftsszenarios also vermitteln, dass Zukunft zwar nicht vorhersehbar, wohl aber zu wesentlichen Teilen gestaltbar ist, und dass es gilt, heute dafür die richtigen Ziele zu wählen. In die postapokalyptische Sicht von OBLIVION übersetzt hieße das dann ganz folgerichtig: „Die Erde ist eine Erinnerung, um die es sich zu kämpfen lohnt.“

 

Share.