Die besten Bücher übers Leben und Überleben

Menschen sind seit Urzeiten ganz wild darauf, zu überleben. Moderne Menschen sind noch wilder darauf, zu sehen oder zu lesen, wie andere überleben, wie allein der Blick auf das Sonntagabendprogramm des Herrensenders DMAX beweist. Zur Vertiefung gibt es hier einige aktuelle Literaturempfehlungen.

Fortsetzung folgt laufend

There is only one Bear Grylls!

Sollte es jemals einen Atomkrieg geben, würden nur Kakerlaken und Bear Grylls überleben. Anschließend würde Bear Grylls die Kakerlaken essen und sagen: “They look und taste disgusting, but are a great source of protein”.

Es gibt reichlich Survivalguides auf dem Markt, dafür dass die Gelegenheiten oder Notwendigkeiten, sich einen Unterschlupf zu bauen oder einen Nager zu erlegen, eher rar gesät sind.

Vermutlich ist es also pure archaische Faszination, denn wie schreibt Allesesser Bear Grylls: “Städte sind gewachsen und die Technik hat Fortschritte gemacht. Aber die Natur bleibt zeitlos. Die Sterne, mit deren Hilfe wir navigieren, sind immer noch am gleichen Ort; die Sonne geht immer noch im Osten auf und im Westen unter; Tiere hinterlassen immer noch dieselben Spuren und das Feuer brennt immer noch gleich hell.”

Nach seiner ersten Buch, das sich eher der Zeit vor seinem Durchbruch als Survivalmann Nummer 1 gewidmet hat, bekommt der Leser mit Grylls Zweitling „Draußen (über)leben“ die crossmediale Ergänzung zur Fernsehserie. Und in der Tat findet sich kaum ein anderes Buch auf dem Markt, das so vollständig diese Thematik abbildet. 
Egal, ob Zombieinvasion, plötzliche Armut oder Zerwürfnis mit den Eltern: Hier steht alles drin, was man braucht, um sich ein Lager zu bauen, Feuer zu machen und Essen zu finden. Wenn man ein Survivalbuch braucht, dann das vom Guru.

Bear Grylls. Draußen (über)leben, 19,90 Euro, erschienen bei Plassen 


Essen – umsonst und draußen

In einem Selbstversuch ging der Autor dieses Artikels der Frage auf den Grund: Wie viele Snacks bietet die Natur und kommt man damit zumindest einen Tag gut durch? Kompetenzpartner: Das Buch „Essbar“ aus dem Haupt Verlag.

Wenn man sich bemüht, sich vegetarisch und autark zu versorgen, so fühlt man sich schnell total „in“, denn man ernährt sich ja regional und saisonal. Vor allem saisonal ist das entscheidende Stichwort, denn so richtig prassen kann man nur zweimal im Jahr: Im Spätfrühling, wenn neben sattem Grün auch Kirschen und Erdbeeren sprießen und im Spätsommer, wenn Nüsse und Wildobst von den Bäumen fallen. „Essbar“ zeigt neben Bekanntem auch seltenere Sorten wie die Kornelkirsche oder viele vergessene Wildgemüsesorten. Bei Lektüre und Selbstversuch kommt man kaum aus dem Staunen raus, wieviele der Pflanzen in der ganz nahen Umgebung essbar oder sogar recht delikat sind. Man hätte Oma halt mal zuhören sollen.

Ein bisschen problematisch ist bei diesem Buch sicher der Umstand, das der Autor aus Großbritannien kommt. Wie jeder weiß, ist das Königreich von einem Haufen Wasser umgeben und hat somit jede Menge Küste. Dementsprechend viel Raum wird dann auch den Meeresfrüchten und der Küstenvegetation eingeräumt – was natürlich einem klassischen Kontinentaleuropäer mit Alpenanbindung herzlich wenig nützt. Ein weiteres Manko: Das Buch wiegt 1,6 Kilo, so viel Gewicht trägt man ungern im Feldversuch bei sich – aber ist andererseits keinerwegs erschöpfend, weil viele essbare Pflanzen keine Erwähnung finden. Dennoch: Als Standardwerk für den Heimgebrauch ist das wirklich wunderschön aufgemachte Buch ein Muss für Hobbyköche mit Abenteurer-Genen.

Was den Selbstversuch angeht: Ja, es geht, aber Schokoriegel bleibt Schokoriegel!


Richard Mabey. essbar. Wildpflanzen, Pilze, Muscheln für die Naturküche  (Originaltitel: Food for free), 39,90 Euro, Haupt Verlag  

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