Des Prinzens wahre Geschichte?!

Es hätte so schön werden können: Diana hatte eine Märchenhochzeit mit ‘ihrem’ Edward. Dass es am Ende tragisch ausging, ist allzu bekannt. Charles selbst lebt seither scheinbar sehr zurückgezogen – eine neue Biografie soll ihn jetzt wieder in das rechte Licht der Öffentlichkeit rücken. Eine unmögliche Aufgabe?

Eines vorab: Es ist keine klassische Biografie und vom Clarence House (also dem Prinz) nicht autorisiert. Das ist bei den Inhalten absolut kein Wunder.

Bei allem Respekt für den Aufwand, den so ein Buch verursachen muss – insgesamt ist es so dermaßen pro Prinz Charles, dass es schon wirklich beschämend zu lesen ist. Wohltätigkeit hier, Wohltätigkeit da, ist er nicht ein anständiger Knabe? Die Autorin überzeichnet das Bild des wohltätigen, gutherzigen Jungens, der in diesem älteren Mann steckt.

An einer Stelle hetzt sie gegen Diana und versucht, ihre Anhänger in den unglaubwürdigsten aller Lichter darzustellen. Dass sie sich damit selbst alle Ernsthaftigkeit abspricht, scheint ihr nicht bewusst. An einer anderen Stelle kommt sie sogar auf das Thema Snowden zu sprechen – weil der gute Prinz die Schirmherrschaft über die britischen Geheimdienste übernommen hat. Anstatt hier ein wirklich spannendes Kapitel zu schreiben, handelt sie Edward Snowden auf einer einzigen Buchseite ab. Nebenbei bezeichnet sie Twitter-User als Bürger-Journalisten, die keinen Respekt vor Privatsphäre (des Prinzen?!) haben. In Anbetracht der Tatsache, dass der MI6 und die NSA Jahrzehnte lang die Privatsphäre anderer, unschuldiger Menschen massiv verletzt haben, ignoriert sie völlig. Damit versagt sie in ihrer Aufgabe mit einer bodenlosen Verantwortungslosigkeit. Im Endeffekt könnte man ihr den gleichen Vorwurf machen, von dem sie Prinz Charles gerne freisprechen würde: Dass er seine Nasen in Sachen steckt, von denen er keine Ahnung hat.

Dieses Buch ist keine klassische Biografie. Es ist vielmehr „irgendein Buch über den Prinz“, man könnte es auch „aus dem Nähkästchen geplaudert“ nennen. Es ist so verzweifelt pro-Royal, dass man glatt eine Vermutung aufstellen könnte: Innerhalb des nächsten Jahres wird die Queen abdanken. Weil die Öffentlichkeit mit einem solchen Buch absolut desaströs vom Gutmenschentum des zukünftigen Königs überzeugt werden soll. Eine katastrophale Angelegenheit. Was natürlich hanbüchen ist, weil das Buch nicht vom Königshaus geplant war und offiziell nicht einmal kommentiert wird. Wie ein Autor, der gerade mal ein Gespräch mit dem Prinzen hatte (wird gemunkelt ^^), ein so ausführliches Buch über ihn schreiben kann, ist geradezu irritierend. Wie kann Catherine Mayer denn zu der “Prinzen-Flüsterin” geworden sein, für die sie sich scheinbar hält? Prinz Charles kommentiert das Buch ja nicht einmal …

Mit dem Herzen eines Königs. Allein dieser Zusatz lässt schon viel Spielraum für Interpretationen. Wäre er in einem Arbeitszeugnis enthalten, würde man ihn wohl als folgende Botschaft verstehen: War mit hohem Engagement dabei, hat aber nie das Ziel erreicht. Das kann man Prinz Charles gegenüber nun wirklich nicht behaupten und illustriert die zerstörerische Wirkung des Buchs gegenüber eines Mannes, der das nun wirklich nicht verdient hat.

Die Autorin hat ein Werk geschaffen, das den Hauptprotagonisten mehr verunglimpft, als ihm tatsächlich gut tut. Damit trägt Catherine Mayer, Amerikanerin, leider genau zu dem bei, was sie ansonsten bemängelt: Wie sehr die Öffentlichkeit den Prinz missversteht.

Bettina Riedel (academicworld.net)

Charles. Mit dem Herzen eines Königs.
Heyne Verlag. 19,99 Euro.

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