Der nette Bandit von nebenan

Jack is back – Elmore Leonard lässt Jack Foley, Hauptfigur aus „Out of Sight“ (Buch wie Film) wieder auf die Leser los. In „Road Dogs“ muss er sich nach drei Jahren Knast wieder der Realität stellen, aber hey, fast wären es dreißig geworden.

Rezension "Road Dogs"
Jack ist wieder einmal auf der Suche nach einem Ausweg. aboutpixel.de / Ausgang © mr.nico

„Jack Foley ist der ehrlichste Betrüger, dem ich je begegnet bin, vielleicht auch der schlauste.“

„Road dogs“, zusammengeschweißt durch die Zeit hinter Gittern helfen einander, egal, was ist, das sind Rekord-Bankräuber Jack Foley (über 170 Überfälle und das ohne Waffe) und sein Knastkumpel, der Kubaner Cundo Rey mit der Drogenvergangenheit. Diesmal kommt Jack ganz legal raus aus der Vollzugsanstalt Glades in Florida. Die von Rey bezahlte Anwältin schafft es, dass er nur drei statt dreißig Jahren absitzen muss. Nun steht er in der Schuld seines Knastkumpanen. 

Als Jack kurz vor Cundo entlassen wird bietet dieser ihm an erst einmal in einem seiner Häuser in Venice Beach zu wohnen und ein Auge auf Cundos Freundin Dawn Navarro zu haben, die standhaft behauptet seit 8 Jahren wie eine Heilige zu leben und auf den kleinen Kubaner zu warten. Mit Jack springt die Hellseherin natürlich prompt ins Bett. Schließlich kann sie ihn für ihre Pläne sich Cundos Kohle unter den Nagel zu reißen gut gebrauchen. Aber Jack fühlt sich Cundo verpflichtet und außerdem klebt ihm der FBI-Agent Lou Adams an den Sohlen. Der will ihn unbedingt beim nächsten Banküberfall auf frischer Tat ertappen, damit er für sein Buch über den „netten Bankräuber“ auch den würdigen Schluss findet. Aber der hat eigentlich gar keine rechte Lust mehr auf Banküberfälle. Aber von Dawn will er sich auch nicht einspannen lassen. 

Während jeder den anderen übers Ohr zu hauen versucht und nichts so ist wie es scheint, muss Foley einen Weg finden, um das ganze Kuddelmuddel unbeschadet zu überstehen und bei alldem immer noch wie ein richtig netter Kerl zu wirken.

Spritzig witzig und humorvoll brutal

Rezension "Road Dogs"

Um sich vorzustellen, wie Leonard schreibt, muss man sich nur Filme wie „Schnappt Shorty“, „Jackie Brown“, „Out of Sight“ oder „Todeszug nach Yuma“ vor Augen führen. Diese und viele mehr gehen auf Buchvorlagen von Leonard zurück. Was da die Soderberghs und Tarantinos dieser Welt so hart, rasant und trotzdem spritzig witzig inszenieren bestimmt auch seine Bücher. Dass er dabei vielfach auch als Drehbuchautor beteiligt war hat seinen Stil wiederum noch filmischer gemacht. Vielleicht hatte er selbst wiederum George Clooney vor Augen, als er den von diesem verkörperten Charakter wieder aus dem Gefängnis kommen lässt. In mancher Szene mit dem Gentleman-Gangster kann man sich das recht gut vorstellen …

Die Geschichte und ihre Charaktere sind auch in „Road Dogs“ wieder einmal herrlich schräg und humorvoll brutal. Das kommt besonders durch die wechselnde Erzählperspektive zum Tragen. Dabei kommen Jack und sein Schöpfer ziemlich lange ohne illegale oder verbrecherische Aktivitäten aus. Was nicht heißt, dass am Ende nicht zwei Leichen in der Tiefkühltruhe landen.

Gisela Stummer (academicworld.net)

Elmore Leonard. Road Dogs
9,99 Euro. Suhrkamp

 

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