Der Meister und sein neuestes Werk

„Joyland“, das aktuelle Werk von einem der bekanntesten Thriller- und Horrorautoren, Stephen King, nimmt den Leser mit auf eine Zeitreise in die 70er Jahre. Zuckerwatte, Geisterbahnen, Gruselfaktor? Die Erwartungen sind hoch …

Um sich sein Studium zu finanzieren, arbeitet der 21-jährige Devin Jones in den Semesterferien 1973 im Vergnügungspark Joyland. Eigentlich wäre er aber lieber bei seiner Freundin, die sich immer weiter von ihm distanziert. Devin gefällt die Arbeit im Park und er ist fasziniert von dem Gerücht, in der Geisterbahn würde es nach einem Mord seit einigen Jahren spuken. Der ungeklärte Todesfall beschäftigt ihn, ebenso wie die mysteriösen Vorhersagen der Jahrmarkthellseherin …

Verwirrende Handlung

Der Schreibstil ist, wie von King gewohnt, bildhaft und flüssig. Allerdings wirkt der Erzählstil gerade zu Beginn oft unstrukturiert und dadurch verwirrend. Erzählt wird die Geschichte aus der Ich-Perspektive des heute über 60-jährigen Devin Jones, der sich an seinen unvergesslichen Sommer zurückerinnert. Dabei scheint er zwar eine chronologische Schilderung anzustreben, schweift davon aber regelmäßig ab und reißt Ereignisse oder Personen an, auf die er später näher einzugehen ankündigt, wodurch man als Leser genau aufpassen muss, dass man der zeitlichen Ordnung folgen kann.

Verschenkte Spannung – mit Lichtblicken

Leider hält die Geschichte nicht, was der Klappentext verspricht: nämlich „sich überschlagende Ereignisse“. Es wirkt eher wie eine 300-seitige Vorgeschichte, bei der man immer darauf wartet, dass endlich etwas Spannendes passiert. Kurz vor Schluss wird es dann doch noch mal für einige Seiten dramatisch und die Aufklärung, wer der Mörder ist, kommt völlig überraschend. Allerdings weiß man ja bereits, dass Devin nichts ernsthaftes passieren kann, da er die Geschichte sonst nicht mehr erzählen könnte, was die Brisanz der gefährlichen Situation sofort wieder abmildert.

Zwangsläufig stellt sich die Frage, in welches Genre man das Buch eigentlich einordnen soll. Thriller/ Horror & Krimi, wie man es vom Meister der Spannung erwarten würde und der Klappentext einem auch glaubhaft machen will, ist es eher nicht, dafür plätschert die Geschichte viel zu lange seicht vor sich hin.

Dabei gibt es zu dem Buch durchaus auch Positives zu sagen: Stephen King gelingt es, nicht nur die Stimmung der Zeit, sondern besonders die Atmosphäre des Parks für den Leser greifbar zu machen. Mit der Nebengeschichte um einen todkranken Jungen kommen zusätzlich noch echte emotionale Elemente dazu – die im Gegensatz zu dem übertrieben und wiederholend beschriebenen Liebeskummer des Protagonisten beim Leser echte Gefühlsregungen hervorrufen können.

Fazit

Ich habe bereits über 20 Bücher von King gelesen. Zu seinen schlechtesten zählt „Joyland“ sicher nicht – aber auch nicht zu seinen besten, zumindest nicht, wenn man Nervenkitzel und Gruselfaktor erwartet.

„Joyland“ liest sich flüssig und relativ zügig, weckt aber durch die Geisterandeutungen ununterbrochen die Erwartung, dass bald etwas Aufregendes passieren muss. Hier wird der Leser dann leider enttäuscht.

Anja Zenker (Academicworld-Userin)

Stephen King. Joyland.
Heyne. 19,99 Euro

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