Der Lack ist ab

Robert Merivel ist ein Freund König Charles II von England. Der Arzt liebt es zu spotten und neigt ein wenig zu Tollpatschigkeiten. Das hat ihm bisher seinen Platz im Dunstkreis des Königs gesichert. Als seine Tochter langsam flügge wird und auch der König ihn immer weniger zu brauchen scheint, versucht er sein Glück am Hof von Versailles. Dort muss er sich aber alsbald von einigen Hoffnungen verabschieden.

Der Lack ist ab

Geschichte ist mehr als große Schlachten

Rose Tremain folgt in ihrem Buch „Adieu, Sir Merivel“ einem Helden, der wenig Heldenhaftes an sich hat. Robert Merivel ist Arzt, 57, geschieden, mit einer 18jährigen Tochter aus der Liaison mit einer bei der Geburt verstorbenen, psychisch labilen Insassin eines Sanatoriums. Er liebt seine Tochter, sein Landgut und seinen König. Aber meistens ist ihm mehr nach heulen zumute. Um sich abzulenken und neuen Lebensmut zu fassen entschließt er sich zu einer Reise an den Hof von Versailles um eventuell dort dem französischen Regenten zu Diensten zu sein.

In Versailles findet er zwar keinen rechten Platz an diesem Hofe der Gecken und königlichen Speichellecker, dafür aber einen direkten Weg ins Herz der klugen und bezaubernden Forscherin Louise de Flamanville. Die ist mit einem Offiziers der Schweizer Leibgarde des Königs verheiratet. Der ist allerdings mehr dem eigenen Geschlecht zugewandt und an der Gattin nur insofern interessiert, dass sie seiner Ehre bitte keinen Schaden zufügt. Tut sie aber dann doch. Mit anderen Worten: Merivel macht sich auf in die Heimat. Nach dem Abschied von der Geliebten, muss er zurück auf der Insel feststellen, dass es um das Töchterlein schlecht bestellt ist. Typhus. Lange Tage und Wochen wacht er an ihrem Bett – sich immer der Gefahr bewusst sie zu verlieren. Derweil heißt es aber noch von weiteren Weggefährten auf ewig Abschied zu nehmen: von der ehemaligen Geliebten Viola und dem  französischen Souvenir – einem auf dem Landgut untergebrachten Bären. Überhaupt, je weiter sich die Geschichte fortsetzt, wird sie mehr und mehr zu einer einzigen, wenngleich unterhaltsam und kurzweilig erzählten, Ballade des Abschiednehmens.

Sir Merival, der selbstironische Erzähler, lässt den Leser nachdenklich, aber amüsiert zurück.

Gisela Stummer (academicworld.net)

Rose Tremain. Adieu, Sir Merivel
19,95 Euro. Insel Verlag
 

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