Der Klang des Todes

Fünf Musiker, vier Frauen und ein Mann, begeben sich für Studioaufnahmen auf eine abgelegene Insel. Zwischen den vier Frauen und dem Stargeiger Raoul Liebeskind gibt es viele Spannungen, aufgestaute Gefühle und Konflikte. Als Raoul stirbt, ist schnell klar, dass es sich um ein Verbrechen handelt. Und der Mörder muss sich noch auf der Insel befinden …

Der Klang des Todes
Für Raoul endet die Probe tödlich. © Axel Hoffmann/pixelio.de

Der Anfang ist geheimnisvoll

Die Geschichte beginnt mit einem geheimnisvollen Prolog, in dem viele Andeutungen zu Plänen verschiedener Personen gemacht werden, ohne dass der Leser Genaues erfährt. Der Roman startet dann erst einmal ruhig: Jede der vier Frauen wird in ihrem Alltag vorgestellt: Louise, die beste Freundin von Raoul mit ihrer Lebensgefährtin Caroline; Helena, die ältere Schwester von Caroline und Affäre von Raoul sowie Anna, eine gemeinsame Freundin, Quartettpartnerin und Ex-Verlobte des Geigers. Es wird also bereits deutlich: Die Frauen stehen in unterschiedlich enger Bindung zu dem überaus attraktiven Musiker. Dann beginnt das Geschehen vor sich hin zu plätschern. 

Angekommen auf der Insel beginnen die Proben und damit die ersten Konflikte zwischen den Figuren. Nach und nach bekommt man das Gefühl, man liest einen Beziehungsroman, in dem der Frauenheld zwischen seinen Liebschaften hin und her springt, und als man sich daran gewöhnt hat und gern noch ein wenig mehr über Zickenkriege und Eifersuchtsdramen lesen würde, stirbt Raoul dann doch noch – nach über 250 Seiten.

Dann wird es spannend

Von nun an wird das Buch wirklich spannend: Eine der Frauen scheint die Täterin zu sein, aber ihre Geschichten über die fragliche Zeit geben kein einheitliches Bild. Erst nach und nach fügen sich die Aussagen zusammen und die Auflösung kommt plötzlich und ebenso unerwartet. Der Rückbezug zum vielversprechenden Prolog erfolgt eher nebensächlich. Leider muss man aber auch hier sagen, dass die Handlung streckenweise langatmig bleibt.

Ich hätte mir gewünscht, dass der Prolog das Auffinden der Leiche geschildert hätte und man dann die Ermittlungen und die vorangegangenen Tage parallel erlebt – dies hätte der Geschichte vermutlich mehr Dramatik verliehen und die Beziehungskonflikte zu Beginn nicht so lang erscheinen lassen.

Der Text liest sich relativ flüssig, wobei Liebhaber und Kenner von klassischer Musik klar im Vorteil sind, da einige Details zu bestimmten Komponisten oder den Instrumenten erläutert werden. Wer „Brahms‘ zweites Streichquartett“ nicht kennt, wird vermutlich nicht verstehen, warum es bei den Protagonisten solche Ekstase auslöst.

Der Klang des Todes

Ganz klischeefrei bleibt es nicht

Die Figuren sind sehr unterschiedlich und auch facettenreich dargestellt, wobei sich Carin Bartosch Edström schon des ein oder anderen Klischees bedient. Interessant sind vor allem die Veränderungen, die in einigen Personen im Laufe der Erzählung vor sich gehen, die sehr detailliert, gefühlvoll und nachvollziehbar dargestellt sind.

Anstrengend hingegen ist die teils etwas gestelzte Sprache einiger Charaktere, wobei dies natürlich auf deren adliger Herkunft zurückzuführen sein kann und auch Verzerrungen aufgrund der Übersetzung nicht ausgeschlossen werden können.

Insgesamt habe ich das Buch am Ende mit sehr gemischten Gefühlen zugeschlagen. Zum einen war ich froh, dass es endlich vorbei war, da es mir gerade am Anfang einfach viel zu langatmig war und die Beziehungskonflikte in dieser Ausführlichkeit für die Aufklärung des Mordes nicht nötig gewesen wären. Auf der anderen Seite fand ich die Arbeit des (gar nicht klischeehaften) Ermittlerteams und deren ungewöhnlichen Ideen und Schlussfolgerungen sehr spannend und auch die Auflösung des Buches war am Ende gelungen, wobei aber leider einige wichtige Fragen unbeantwortet bleiben.

Anja Zenker (academicworld.net-Userin)

Carin Bartosch Edström. Der Klang des Todes
19,99 Euro. Diana Verlag

   

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