Der harte Weg zum Seelenheil

Die junge Tilla lebt als Tochter eines Kaufmanns in der Reichsstadt Tremmlingen. Doch der Vater liegt im Sterben und sein letzter Wunsch ist es, dass sein Sohn, Otfried, sich auf eine Pilgerreise nach Santiago de Compostela begibt und dort sein Sünderherz begräbt. Doch der spielt nicht mit und liefert Tilla einem ungewissen Schicksal aus …

Ein Bild aus glücklicheren Zeiten: Tilla und ihr Verlobter

Währenddessen soll Tillas Verlobter die Geschäfte der Familie führen – das passt Otfried natürlich gar nicht. Aus Zorn und Angst vor einer nutzlosen Existenz tötet er seinen Vater und macht damit diese Änderung des Testaments zugunsten Tillas Verlobten unmöglich. Tilla durchschaut ihn, doch als Frau im Mittelalter weiß sie kein Mittel, um sich wirksam zu schützen. Entgegen ihrem Willen muss sie einen Widerling heiraten. Der stirbt in der Hochzeitsnacht und Tilla nutzt die entstehende Verwirrung, um als Junge verkleidet mit dem herz ihres Vaters den Weg nach Santiago zu beginnen. Doch  viele Gefahren stellen sich der jungen Frau in den Weg – und wem kann sie wirklich vertrauen?

Wer pilgern will, muss tragen.
Wer pilgern will, muss tragen.

Die Kritik

Amerikanische Filme dominieren den Markt und eine große deutsche Produktion hat lange auf sich warten lassen. Mit „Die Wanderhure“ gab es einen ersten Schritt in diese Richtung und mit „Die Pilgerin“ geht das ZDF nun den zweiten. Hat sich das gelohnt?

Ja. Die Kritiken, die die Parallelen von DIE PILGERIN zur WANDERHURE als negative Punkte angehen, darf man eigentlich nicht beachten. Beide Bücher stammen von Iny Lorentz, dem Autorenehepaar Iny und Elmar Lorentz – deren Werke haben nun einmal fast immer die gleiche Struktur. Ein junges Mädchen, ein Schicksalsschlag und eine einzige Möglichkeit, damit umzugehen – nämlich den Rock gegen die Hose zu tauschen. Das kann man dem Film und seinen Machern definitiv nicht vorwerfen.

Die mehr oder minder illustre Pilgertruppe.

Die Schauspielleistung von Josefine Preuß ist beachtlich, als Jungschauspielerin eine solche Rolle überzeugend darzustellen, ist eine Leistung. Die übrigen Schauspieler geben sich ebenfalls keine Blöße und so kommt es, dass der Film trotz „grauer“ Optik gute Unterhaltung bietet.

Auch wichtig: Die Dialoge. Deutsche Produktionen haben da so manches Mal ihre Probleme – sie wirken oft zu künstlich. Nicht so hier und das ist eine wahre Wohltat.

Die Moral von der Geschichte ist aber letzten Endes etwas schal geraten. Natürlich erfüllt die junge Dame ihre Aufgabe und findet am Ende die Liebe, doch einen tieferen Sinn findet man nicht. Da erreichen Tilla und Sebastian, der Bruder ihres Verlobten – der eigentlich hinter ihr hergeschickt wurde, um sie zurückzuholen – nach all den Strapazen Santiago de Compostela und was ist? Der Effekt des „Herz vergrabens“ verpufft etwas, als die Heldin auf einem Hügel außerhalb der Stadt niederkniet, ein Loch gräbt und einen Stein darüber rollt. Da bringt es einer der Pilgerer voll auf den Punkt, wenn er sagt, dass das Pilgern ihn wider Erwarten nicht zu einem neuen Mensch macht. Das ist schade, hier hätte mehr passieren können.

Insgesamt mit den beiden Teilen bietet „Die Pilgerin“ angenehme Unterhaltung, eine gute Produktion made in germany, aber keine Revolution der TV-Welt.

Bettina Riedel (academicworld.net)

Die Pilgerin

Seit dem 10. Januar 2014 auf DVD und BluRay im Handel
Darsteller: Josefine Preuß, Dietmar Bär, Stipe Erec, Volker Bruch
Im Verkauf der Universum Film.

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