Der Fußballkrimi zur EM 2012

Eine umgekehrte Gauß’sche Glockenkurve dürfen wir in diesem Fußballkrimi bewundern: Kev King, englischer Mannschaftskapitän wird demontiert um anschließend wie Phönix aus der Asche wieder aufzuerstehen und auf dem internationalen Parkett sein Comeback zu feiern. Natürlich muss es da blutig und zugleich spaßig zur Sache gehen …

Craig Taylor: Euro Psycho

Demontage

Kev King, Kapitän der Englischen Nationalmannschaft und aufstrebender Lifestyleguru ist sauer. Nachdem ihm ein unmoralisches Angebot zur Hinterziehung eines Spiels gemacht wurde, das er ausschlug, und er daraufhin durch eine Kampagne seine Sponsoren, seinen Club und seine Aufstellung in der Nationalmannschaft verloren halt, ist er nun in England eine Persona non Grata.

Von fast allen ehemaligen Getreuen im Stich gelassen, ist für ihn nun die Zeit zum Zurückschlagen gekommen. Als völliger Außenseiter fängt er bei einem Schießbudenverein im Kaukasus noch einmal von vorne an und schafft nach einigen skrupellosen Manövern das Unfassbare – er qualifiziert sich mit seinem Team für die Europameisterschaft in Polen und der Ukraine, dem finanzstarken Clubpräsidenten sei’s gedankt.

Nun können die Spiele beginnen, denn Kev King brennt darauf, sich vor den Augen der Weltöffentlichkeit zu rehabilitieren und zu zeigen, dass er vom Rest der Welt zu unrecht angefeindet wird …

Zwischen Satire und Krimi

„Euro Psycho“ schafft den Brückenschlag zwischen einer Satire des Fußballgeschäfts auf der einen Seite und einer blutigen Rächerstory auf der anderen Seite. Während man dem Niedergang und der folgenden Wiederauferstehung des gescheiterten Starkickers Kev King beiwohnen kann, inszeniert C. M. Taylor eine Geschichte, die leichte Anklänge an die Ambivalenz von Rober Luis Stevensons Dr. Jekyll und Mr. Hyde erinnert. Während Kev King als Sportler auf dem Platz alles gibt, um den Erfolgshunger seines Teams und damit auch sein Verlangen nach Rache zu stillen, verhält er sich abseits des Platzes weitaus unsportlicher. Die im Buch geschilderten Rachefeldzüge des Fußballprofis sind teilweise ziemlich blutig, doch immerhin begeht C.M. Taylor nicht den Fehler, hier zu voyeuristisch werden zu wollen und er wahrt immer eine ironische Distanz  und bricht so die Brutalität. Der Ich-Erzähler Kevin King ist ein wahres Ekelpaket, das dennoch nicht die Bindung zum Leser verliert, auch wenn die manchmal etwas besserwisserische Erzählweise in manchen Passagen leicht überzogen wirkt. Insgesamt bleibt man die 352 Seiten, die im Übrigen dank der Kapitelaufteilung schnell gelesen sind, gerne am Ball und beobachtet Kev bei seinem Kampf zurück an die Spitze des internationalen Fußballgeschäfts.

Fazit

„Euro Psycho“ mag zwar kein großes Stück Literatur sein, dafür versteht es das Buch wirklich, zu unterhalten. Es beleuchtet den Fußball von der dem Fan entgegengesetzten Seite und ist ein satirischer Blick hinter die Kulissen der schönsten Nebensache der Welt. Ein hartes Buch mit einem Protagonisten, der nicht von Ungefähr an David Beckham und an all die anderen selbstverliebten Kicker erinnert und das trotz mancher Überzogenheit einfach Spaß macht. Wer während der  kommenden EM 2012 zwischen den Spielen seines favorisierten Teams nach Abwechslung sucht, dem sei dieses Buch als alternative zum obligatorischen „Kicker“ ans Herz gelegt.

Marius Müller (academicworld.net-User)

Craig Tayler. Euro Psycho
12,99 Euro. Heyne Hardcore

 

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