Der ewige Krieg

Dexter Filkins: Der ewige Krieg

Bücher über den Irak gibt es ja einige – und meistens unterscheiden sie sich nicht sonderlich und schaffen es nicht, dem Leser Neues mitzuteilen. Es wird doch oft ein wenig mit Vorurteilen gespielt, dazu kommen dann noch ein paar Beschimpfungen, die sich an die Bush-Regierung richten und fertig ist das Irak-Buch…

Dexter Filkins Buch Der ewige Krieg hebt sich jedoch positiv von diesen Büchern ab, was sicher daran liegt, dass er selbst mehrere Jahre in Afghanistan und im Irak verbracht und es so geschafft hat, die Leute dort ein wenig besser zu verstehen – zumindest in mancher Hinsicht.

Dexter Filkins ist Reporter bei der New York Times und hat in ebendieser Zeitschrift zahlreiche Kriegsberichte veröffentlicht – Der ewige Krieg ist die dazu passende Buchform.

Ungeschönte Berichte

Dieses Buch ist eigentlich perfekt für Leute, die mehr über den Krieg im Irak und in Afghanistan erfahren wollen – und zwar aus erster Hand: Ungeschönt, ohne etwas zu rechtfertigen oder zu entschuldigen. Filkins erzählt in kurzen Episoden von seinen persönlichen Erlebnissen in den beiden Ländern. Ein paar kurze Kapitel über Afghanistan stellen jedoch nur eine Art Einleitung zum eigentlichen Thema, dem Irak, dar. Hier spannen sich seine Erzählungen über mehrere Jahre.

Es ist schon interessant, was Filkins hier zusammengetragen hat: Er erzählt von den „Klassikern“, wie den Selbstmordattentätern und den Taliban, aber auch von ganz normalen Menschen, die in dem Land leben und sich eigentlich nur wünschen, ein friedliches Leben führen zu können – sowie von jenen, die die Kriegssituation schamlos ausnutzen oder vergeblich versuchen, etwas im Land zu verändern.

Aber natürlich spielen auch die Erlebnisse der Amerikaner in diesem Buch eine Rolle; hier vermitteln Filkins Berichte ebenfalls ein realistisches Bild: Die amerikanischen Aktionen im Land werden keinesfalls beschönigt und häufig bekommt man eine ziemlich genaue Vorstellung davon, warum vieles nicht so funktioniert, wie von den USA gewünscht.

Empfehlenswert

Ich kann dieses Buch wirklich allen empfehlen, die sich für die Kriege in Afghanistan und im Irak interessieren, jedoch auch die Personen hinter dem Krieg sehen wollen. In manchen Berichten Dexter Filkins‘ wirkt der Irak beinah wie ein normales Land und man kann fast verstehen, was ihn dort hinzieht.

Anfangs hatte ich jedoch ein paar Probleme mit der Art, wie Filkins berichtet: Seine Sprache ist zwar einfach und unkompliziert, aber vor allem in den ersten Kapiteln wirkten viele Berichte ein wenig zusammenhanglos.

Der Autor scheint leider zu abrupten Themenwechseln zu neigen, was es manchmal schwer macht ihm zu folgen, woran man sich aber mit der Zeit gewöhnt. Im Rahmen eines Nachwortes werden auch alle offenen Fragen geklärt, die dabei eventuell aufkommen (anfangs hatte ich was dies betrifft einige Zweifel, die sich aber als unbegründet herausstellen sollten).

Letztendlich fand ich Dexter Filkins Der ewige Krieg ein sehr gute Buch und würde jederzeit wieder ein Buch von Filkins lesen.

Albel_Nox

 

Dexter Filkins

Der ewige Krieg: Innenansichten aus dem „Kampf gegen den Terror“

384 Seiten 

22,95 EUR

Fischer

 

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