Der Belgier ist los!

Die Werke von Agatha Christie sind weltbekannt und spätestens mit ihrer Figur Hercule Poirot für jeden ein Begriff. Die Autorin ist nun leider seit geraumer Zeit verstorben. Dennoch gibt es nun einen Fall für den weltberühmten Hercule Poirot!

Geschrieben wurde der neue Krimi von Sophie Hannah, die ihres Zeichens schon einige sehenswerte Erfolge vorweisen kann: Still, still (Little Face) beispielsweise. Das ist ein Novum, denn „Die Monogramm-Morde“ ist das erste neue Werk rund um den kleinen Belgier mit dem beeindruckenden Schnauzbart.

Ein paar Tage Päuschen für seine grauen Zellen. Am besten noch anonym in London – damit niemand an Hercule Poirot herantreten kann und ihn mit seinen Belanglosigkeiten belästigen. Da beobachtet er eine Dame mittleren Alters, die sehr gestresst und stark verängstigt wirkt. Sie will sich niemandem offenbaren. Das Einzige, das sie preisgibt, ist einem Rätsel gleich: Sie wird sterben, ermordet werden gar! Und niemand soll auch nur versuchen, den Mund zu öffnen und den Täter zu suchen, niemand!

Hercule Poirot, kleinwüchsiger Belgier mit großer Nase für schreckliche Geheimnisse würde gerne ihre Spur aufnehmen. Leider verliert er sie, als sie das Café plötzlich verlässt. Noch während seiner Suche nach ihr werden drei Menschen in ein und demselben Hotel ermordet – Zyankali! Zusammen mit dem Ermittler von Scotland Yard, den er ein bisschen bemuttert, suche. Sie nun doch eine. Täter. Seinen Urlaub vermisst Monsieur Poirot nicht. Dafür immer noch die Dame aus dem Café, die er gerne retten würde. Möglicherweise steht sie mit den drei Ermordeten aus dem Hotel in Verbindung … Ein ziemlich weit bestreitet Fall für Hercule Poirot!

Es ist ein gemächlicher Krimi. Er nimmt sich Zeit, soll heißen: Es gibt nicht zig hundert Explosionen und auch die Erkenntnisse kommen Stück für Stück ans Licht. Ein toller klassischer Krimi, der zum mitdenken auffordert, aber nicht stresst. Den Hinweisen zu folgen, macht Spaß. Der Zuhörer lässt sich nicht nur berieseln, sondern folgt dem Krimi aufmerksam und sieht es beinahe bildlich vor sich. 

Da hilft die großartige Lesung von Wanja Mues natürlich. Mal lässt er die leicht versnobte Stimme Poirots ertönen und hat auch keine Schwierigkeiten mit dem Französisch. Dann wieder verkörpert er die weibliche Bedienung in dem Café, den dümmlichen Hoteleigentümer und den Scotland Yard Ermittler, der mit seinen ganz eigenen Kindheitspsychosen kämpfen muss.

P.S.: Wer Französisch kann, hat hier Vorteile 😉 wer nicht, hat aber keine Nachteile zu befürchten. Ein richtig gutes Weihnachtsgeschenk!

Bettina Riedel (academicworld.net)

Agatha Christie und Sophie Hannah. Die Monogramm-Morde.
Der Hörverlag. 19,99 Euro.

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