Den FC Bayern verstaatlichen?

Unter vielen Zuschriften erreichte mich eine besondere Mail von Herrn Kevin Meinert, nach eigener Aussage „neutral wie die Schweiz, was Sportpolitik und Fußballvereine betrifft!“, die ich den Lesern nicht vorenthalten möchte. Gleichzeitig bitte ich um weitere erfrischende Zuschriften und Anregungen für Abstimmungen auf meiner kleinen Fußballseite.

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Der FC Bayern zieht einsam seine Runden und der gemeine Fußballfan ist irgendwie erleichtert: Gewinnen die Bayern, darf man mit weniger Medienpräsenz von Deutschlands Fußballaushängeschild Nummer 1 rechnen. Man ahnt ja fast, was die Sport-Bild und andere Organe für Schlagzeilen zieren würden, wäre dies nicht der Fall. Ja, die Bayern haben Erfolg mit der Hoeness-Philosophie („Wir kaufen so lange Spieler, bis wir wieder oben stehen!“) und dominieren die Liga nach Belieben. Und Tatsache, es ist mal wieder schlicht und einfach die Kohle, mit der die Bayern sich im Regal der 20 bis 40 Mio-Transfers nach Belieben bedienen können, die den Unterschied macht.
 
Warum aber sind die Bayern eigentlich so reich? Schenken wir uns die Erklärungen vom Topmanager Uli Hoeness und vom starken Wirtschaftsstandort Bayern, die ja alle ihre Berechtigung haben. Wir wollen wissen: Was sind eigentlich die Grundlagen dafür, dass man heute so erfolgreich Wirtschaften kann?

Es sind, ganz ohne Zweifel, massive staatliche Subventionen, die den FC Bayern heute so mit Geld um sich werfen lassen! Das Olympiastadion wurde ihnen 1972 quasi geschenkt und sorgte für ein Fassungsvermögen von 80.000 Zuschauern und eine regelmäßige volle Kasse bei Präsident Wilhelm Neudecker, der gerne die mickrige Stadionmiete an die Stadt München bezahlte und sich freute, nicht mehr im zugigen und kleinen Grünwalder Stadion spielen zu müssen. Dank des Olympiastadions explodierten die Einnahmen des FC Bayern, der Grundstein für den Aufstieg der Bayern war gelegt (Franz „Bulle“Roth: „Damals hatten wir fast 80.000 Zuschauer im Olympiastadion und im Europacup kosteten schon damals die besten Plätze bis zu 80 Mark!“). Um weitere Fakten zu nennen: Bis zur Saison 1971/72, in der die Bayern zum ersten Mal im neuen Olympiastadion spielen konnten, war die Meisterschaft in der Fußballbundesliga acht Mal ausgespielt worden – der FC Bayern aber nur ein Mal Titelträger geworden. Erst mit den neuen finanziellen Möglichkeiten des Olympiastadions sollte das anders werden, wie jeder Fußballfan weiß.
 
 Auch bei der Allianz-Arena hat der Steuerzahler die Taschen weit geöffnet, denn für die Infrastrukturmaßnahmen, die für die Allianz Arena nötig waren, wurden von der öffentlichen Hand sagenhafte 210 Millionen Euro bezahlt, zudem wurde das Gewerbegebiet zur Sondernutzungsfläche gemacht, wodurch dem Haushalt weitere 70 Millionen verloren gegangen sind.
 
Ganz ehrlich sage ich: Die Bayern haben aus diesen mit öffentlichen Mitteln bezahlten Stadien und Erschliessungen ohne Zweifel viel gemacht, denn es gibt ja auch andere Fußballvereine, die (dann allerdings in der Summe deutlich geringer) ebenfalls unterstützt worden sind und nicht annähernd eine solche Entwicklung genommen haben. Aber ist nicht jetzt spätestens der Zeitpunkt gekommen, wo man darüber nachdenken müsste, einen derart hochgepäppelten FC Bayern zu verstaatlichen? Denn wenn der Bund irgendwo den Fortbestand eines Unternehmens mit garantiert – wie etwa bei der Commerzbank -, dann muss er logischerweise auch Anteilseigner sein!
 
Der FC Bayern hat leider schon 10% seiner Vereinsanteile an adidas verkauft und ist in Gesprächen über weitere Verkäufe, also sollte man jetzt handeln, bevor es zu spät ist und der gesamte FC Bayern der Industrie gehört. Der erste Schritt wäre der Verstaatlichung des FC Bayern und die Einrichtung verbindlicher Corporate Governance-Regularien, die dem FC Bayern ein Transferverbot für die nächsten Jahre auferlegen, um eine Wettbewerbsgerechtigkeit wieder herzustellen. Dann wird mit dem Verkauf des Vereins begonnen. Die Privatisierungserlöse der „Roten“ würde der Staat im Anschluss all jenen Vereinen zuführen, die unter der wirtschaftlichen Dominanz des staatlich subventionierten FC Bayern in den vergangenen Jahrzehnten am meisten zu leiden gehabt haben.

Sollten soziale Härten für die Fans des FC Bayern entstehen, weil der Verein ohne staatliche Mittel die Bundesliga nicht mehr halten kann, könnte man für die Übergangszeit Bustransfers zu Red Bull Salzburg über eine Arge finanzieren.

Von Eduard Eschle

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