David Gilmour: Die perfekte Ordnung der Dinge

Der sechzigjährige David Monday reist zurück an die Orte, an denen er gelitten hat, um sie diesmal mit offenen Augen zu betrachten. Dabei schwelgt der Ich-Erzähler in Erinnerungen an seine Verflossenen, schildert sein Leben als Schriftsteller und erzählt von all den kleinen und großen Momenten, in denen er enttäuscht wurde oder versagt hat, die ihn aber letztlich zu dem Menschen gemacht haben, der er heute ist.

 

Rezension zu David Gilmour: Die perfekte Ordnung der Dinge

So weit also die Theorie und der Klappentext. Doch zu was für einem Menschen ist er eigentlich geworden? Das Buch ist geprägt von seiner depressiven Art, seiner negativen Lebenseinstellung und seiner Ansicht, dass alles, was mit ihm geschieht, nicht Folge seiner Handlungen, sondern Teil eines großen Plans ist, ihm das Leben schwer zu machen. Er betrachtet seine Vergangenheit auch nicht „mit offenen Augen“ sondern von Drogen verblendet, verbittert und voreingenommen. Das alles hat für mich nichts mit der „herzerwärmenden Melancholie“ zu tun, mit der das Buch angepriesen wird und ich hoffe auch sehr, dass niemand es jemals als „ungewöhnliche Gebrauchsanweisung für das Leben“ verwenden wird.

Zusammenhanglos und mit fremden Federn geschmückt

Hinzu kommt, dass das Buch keinen roten Faden aufweist. Es ist vielmehr eine verworrene Aneinanderreihung von Eindrücken zu Tolstois „Krieg und Frieden“, biografischen Einsichten in das Leben mit und von den Beatles (diese beiden Punkte nehmen zusammen mehr als die Hälfte des Buches ein), zahlreichen Zitaten anderer Schriftsteller und etlichen Niederlagen sowie Enttäuschungen aus dem Leben des Protagonisten, die dem Leser alle wild durcheinander gewürfelt und völlig zusammenhanglos vor die Füße geworfen werden. Nach und nach verliert der Leser immer mehr den Überblick und dadurch das Interesse am Geschehen. Wie ist der zeitliche Ablauf? Wie viele Exfrauen hatte David noch gleich? An welchem Ort befindet er sich gerade eigentlich? Dabei bleiben nicht nur sämtliche Nebencharaktere völlig blass, nein, auch über David erfährt der Leser kaum etwas, obwohl dieser 250 Seiten lang von sich erzählt.

Lebendiger Schreibstil

Positiv hervorzuheben ist dagegen Gilmours flüssiger und stellenweise poetischer Schreibstil. Er weiß genau, wie er die Umgebung gestalten muss, damit sich der Leser mittendrin fühlt. So werden zum Beispiel Hintergrundgeräusche wie „knirschende Kieselsteine unter den Rädern des Familienautos“, „das Knallen einer Fliegengittertür“ oder „ein Fisch, der im Wasser platscht“ beschrieben und lassen das Buch lebendig werden. Umso bedauerlicher ist es, dass es dem Autor nicht gelungen ist, diesen guten Stil mit einer ergreifenden Geschichte zu verbinden.

Zum Abschluss sei zu sagen, dass Gilmour selbst durch sein Sprachrohr David Monday sehr gut beschreibt, worum es in dem Buch wirklich geht und was es in meinen Augen scheitern lässt:
„Innerlich stimmte ich ein Klagelied an, ich beklagte die Zeit, die ich hier als junger Mann vergeudet hatte. Die schrecklichen Kater, die sinnlosen Liebesgeschichten, die maßlose Ich-Bezogenheit, die ich als künstlerische Selbsterforschung ausgab.“ (S.183)

Fazit:

„Die perfekte Ordnung der Dinge“ ist eine Mischung aus Beatles-Biografie, Tolstoi-Rezension und den zusammenhanglosen Erlebnissen eines depressiven alten Mannes, verpackt in einer schönen Hülle aus gelungenen Satzkonstruktionen.

 

252 Seiten

S. Fischer (Februar 2011)

18,95 Euro

 

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