Das Leben, Freundschaft und Liebe

Ein Buch über Bücher – und doch so viel mehr. Lucy Dillons „Der Prinz in meinem Märchen“ beleuchtet das teilweise verzwickte Geflecht der gesellschaftlichen Beziehungen, egal ob in Liebes- und Freundschaftsdingen oder innerhalb der Verwandtschaft.

Als Anne den Buchladen von Longhampton übernimmt, erfüllt sich ihr großer Traum. Und nicht nur, weil sie damit zumindest zeitweise ihrer Rolle als ungeliebte Stiefmutter entkommen kann. Anne liebt Bücher – und die Geschichten von Märchenprinzen, bösen Hexen und verwunschenen Gärten erfüllen die Räume der kleinen Buchhandlung bald mit neuem Zauber. Ein Zauber dem selbst Annes beste Freundin, die taffe Karrierefrau Michelle, erliegt. Doch deren Vergangenheit wirft dunkle Schatten, und eine Krise bahnt sich an. Ist das Glück der Freundinnen in Gefahr?

Interessante und vielschichtige Figuren

Der Klappentext suggeriert zwar etwas anderes, aber die beiden ungleichen Freundinnen Anne und Michelle nahmen durchaus einen gleichberechtigten Rang innerhalb des Romans ein. An dieser Freundschaft faszinierten zunächst die Gegensätze: Anne ist Familienmensch und Leseratte durch und durch, Michelle hingegen Karrierefrau.

Als ich die Figuren einzeln für sich betrachtete, trat noch mehr zu Tage, was meine Aufmerksamkeit erregte. Michelle, so zielstrebig sie auch zuerst wirken mag, schleppt dunkle Schatten mit sich herum. Stets wurden Andeutungen zu ihrer Vergangenheit gemacht, doch so richtig kam ich erst zum Schluss dahinter, was ihr zu schaffen macht. Diese Tatsache fand ich einerseits sehr interessant und sie produzierte immer wieder ein gewisses Maß an Spannung, aber irgendwann kam der Punkt, da war ich von diesen ewigen Andeutungen etwas genervt und fand, dass man doch jetzt langsam mal zur Auflösung schreiten könnte. In diesem Punkt fühlte ich mich etwas hingehalten.

Was Anne angeht, so konnte ich mit ihr zunächst nur wenig anfangen. Sie teilt meine Leidenschaft für Familie und Bücher, allerdings in einem Maß, das manchmal schon fast an Naivität grenzte. Ich muss allerdings gestehen, dass sie sich innerhalb der Geschichte kontinuierlich entwickelte, was mir  letztlich sehr gut gefallen hat.

Angenehmer Stil, gute Nebencharaktere

Neben einem flüssigen Schreibstil konnte die Autorin bei mir punkten, indem sie auch die Nebencharaktere gut in Szene setzte. Hier warteten sehr unterschiedliche Figuren auf mich, die alle sehr glaubhaft waren und sich gut in die Handlung eingliederten. Auch sie waren immer wieder für eine Überraschung gut.

Abseits der Handlung hat die Autorin zudem sehr schöne Kapiteleröffnungen gewählt, indem sie ihre Protagonisten über verschieden Bücher sprechen lässt. Einige Meinungen überraschten mich, zeigten jedoch auch, dass es für jeden Lesegeschmack das richtige Buch gibt.

Ein Roman über das Leben und die Facetten von Freundschaft und Liebe – trotz kleinerer Längen unterhaltsam und lesenswert.

Tanja Geyer (Academicworld-Userin)

Lucy Dillon. Der Prinz in meinem Märchen.
Goldmann. 9,99 Euro

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