Das Echo der Lüge

Für Antonia endet ein zunächst schöner Urlaub mit ihrem Mann im Albtraum …

Das Echo der Lüge ist meist unerfreulich … Bild: Andrea Damm/pixelio.de

Es sollte ein schöner Urlaub werden und endete für Antonia als Albtraum. Nach einem Tauchgang ist ihr Mann Pascal spurlos verschwunden, die Behörden vor Ort gehen von einem tragischen Unfall aus. In dieser Situation ist Antonia die einzige, die nicht an Pascals Tod glaubt, zumal seine Leiche nicht gefunden wurde. Sie sucht Unterstützung bei seiner Familie, wird aber abgewiesen. Fast hätte sie sich mit der Situation abgefunden, als plötzlich ein Fahnder vom Frankfurter Betrugsdezernat auftaucht. Sie suchen ihn wegen unlauterer Geschäfte an der Börse und glauben nicht an Pascals Tod. Antonia reist nach Frankfurt, um selbst näheres heraus zu finden. Was sie erfährt, wird ihr Leben für immer verändern…

Zwiegespalten

„Das Echo der Lüge“ ist ein Buch, was mich etwas zwiegespalten zurück lässt. Die Autorin nimmt sich eines sehr aktuellen Themas an, baut viel auf Psychologie – nicht des Täters, sondern des „Opfers“ (in dem Fall Antonia, die von den Machenschaften ihres Mannes überrumpelt wird.) Der Schreibstil ist sehr angenehm und obwohl das Buch ohne viel Action auskommt, ist es spannend zu lesen. Die relativ kurzen Kapitel tragen dazu bei, den Lesefluss zu fördern. Trotzdem konnte es mich nicht ganz überzeugen.

Die fremde Protagonistin

Das Buch ist in der Ich-Perspektive aus Antonias Sicht geschrieben. Normalerweise trägt diese Perspektive dazu bei, der Geschichte nicht nur aus Protagonistensicht zu folgen, sondern sich auch ein besseres Bild desselben zu machen. Das hat bei mir diesmal aber nicht funktioniert. Antonia blieb mir fremd. Zu emotionslos ist die Schilderung, zu naiv kommt sie daher. Da dubiose Börsengeschäfte wochenlang die Schlagzeilen beherrschten, ist es kaum zu glauben, dass sie nicht ein bisschen aufgeschnappt hat – auch ohne das Wissen, dass ihr Mann selbst darin verwickelt ist. Man muss ihr alles erklären. Nun hat nicht jeder Leser Ahnung von der Börse und ist dankbar für die Erklärung. Insofern passt es, würde man meinen. Aber ein paar Seiten weiter benutzt Antonia selbst Fachtermini (die dann wiederum nicht erklärt werden), die man schwerlich irgendwie nebenbei aufgeschnappt haben konnte. Das passt nicht zu der sonst so naiven Protagonistin. Und naiv ist sie wirklich. Egal wer ihr was erzählt, allen glaubt sie, bis sich das Gegenteil herausstellt. Mit der Zeit sollte sie eigentlich lernen, dass gesundes Misstrauen hin und wieder auch angebracht sein kann. 

 

Wie ein Theaterstück

Die anderen Personen bleiben ziemlich blass. Das liegt vielleicht daran, dass die meisten Personen nur einen kurzen Auftritt haben. Das hat mich stellenweise an ein Theaterstück erinnert: Auftritt Person A, Geplänkel, Abgang Person A, Auftritt Person B, usw. Selten hat neben Antonia mehr wie eine Person agiert, obwohl das sicher sehr spannend gewesen wäre. Einzig Antonias Tante und ihr Mann haben mein Herz erobert. Sie sind zwar nur Nebenfiguren, aber die einzig greifbaren.

Das Ende der Geschichte ist dann auch nicht weiter überraschend, es wirkt fast so, als musste jetzt ein Ende her. Schade eigentlich, denn die Autorin hat selbst eine mögliche andere Entwicklung ihren Protagonisten erwähnen lassen. Es wäre interessant gewesen zu lesen, wie sie diesen Faden weiterspinnt.

Ich werde aber die Autorin aber auf alle Fälle mal im Auge behalten. Zum einen, weil mir ihr Schreibstil gefällt, zum anderen weil sie das Potenzial hat, spannend-psychologische Geschichten zu schreiben, was ich sehr mag.

Fazit: Wer ein nettes Buch zum nebenbei Schmökern sucht und keine großen Überraschungen erwartet, ist hier jedenfalls genau richtig. 
Ines K. (academicworld-Userin)

Sophie Miller. Das Echo der Lüge.
14,99 Euro. Diana Verlag.

 

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