“Das Auto für alles und jeden”

Das Randgruppen-Modell von Volkswagen sollte einst ganz Deutschland einen.

Eine Frau. Erfasst von einem VW Polo. Verdrehte Hüfte. Schmerzverzerrtes Gesicht.

Halt, nein. Sie lächelt. Sie hat offenbar einfach Spaß daran, Arschbomben auf die Motorhaube ihres neuen Polos zu machen.

Der neue Polo. Das Auto für alles und jeden. Sogar Frauen, entschlüpfte es vermutlich den Gehirnen der dauergewellten und blondierten Schnauzbartträger  beim Betrachten der Anzeige (diese ist aus dem Jahr 1981 – da war dies in der Tat der In-Look, wie man jedem Panini-Fußballalbum aus dieser Zeit entnehmen kann).

Diese waren aber gar nicht explizit die Hauptzielgruppe des Gefährtes, wie man eine Seite davor erfahren konnte: Sondern „Gauloises-Raucher“. Okay, nicht alleine, sondern auch „Streichquintette“, „Energiesparer“ und „Leute mit einem Boutique-, Antik- oder irgendeinem anderen Tick“.

Heute würde man sagen: Randgruppen.

Eins fragt man sich dann doch: Wie kommt man auf die Idee, ein Auto, das für „alles und jeden“ ist, ausgerechnet nach einem Sport zu benennen, der ein Quasi-Privileg des Britischen Hochadels ist? Besser zum Produkt und zur Aussage hätte da beispielsweise „Minigolf“ gepasst. Der neue VW Minigolf.

Genug der Spöttelei: Denn mag auch Individualität ein Auslaufmodell sein, der Polo ist es nicht. Seit 1975 geht er in Wolfsburg vom Band, mittlerweile in der fünften Generation. Der Polo V war es dann auch, der 2010 „World Car of the Year (WCOTY)“, zu deutsch „Auto des Jahres“, wurde. Dies ist in der Tat die höchste Auszeichnung für Kraftfahrzeuge, bei der eine Jury aus 48 Fachjournalisten aus 22 Staaten Kraftfahrzeuge bewertet, die in mindestens fünf Ländern und auf mindestens zwei Kontinenten verkauft wurden.

Von der Aussage im Jahr 1981 ist vermutlich nur mäßig viel geblieben. Zumindest Karl Lagerfeld ist im aktuellen Spot der Meinung, die Modelle gehören nach Paris – und nicht in die Hände deutscher Randgruppen.

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