Dan Simmons: Drood

Viktorianischer Thriller – Drood

Von Dans Simmons letztem Buch, ‚Terror‘, war ich schlechtweg hingerissen. Dementsprechend waren meine Erwartungen hinsichtlich seines neuesten Werkes, ‚Drood‘. Die Ausgangssituation klang ja schon vielversprechend: Da schreibt der Autor Wilkie Collins über die letzten Lebensjahre von Charles Dickens und seine Begegnung mit einem merkwürdigen Mann namens „Drood“, den wohl nicht nur ein Geheimnis umweht.

Auch das Buch selbst beginnt wirklich spannend, so ist doch das erste, wovon man erfährt, ein fürchterliches Zugunglück, das Dickens knapp überlebt. Am Ort des Geschehens beobachtet er Drood, einen mißgestalteten Mann und bekommt ihn fortan nicht mehr aus seinem Kopf.

Was nun folgt ist eine Art Drogentrip durchs viktorianische England, eine intensive Charakterestudie Dickens‘ und zum Schluss eine Prise Horror – aber reicht das alles, um das Buch richtig gut zu machen?


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Faktenlastige Dickens-Studie

Dan Simmons hat ja schon in anderen Büchern gezeigt, dass er eine Schwäche für die viktorianische Zeit hat und dass er es zudem versteht, dies in seinen Büchern umzusetzen. Auch hier liefert er eine wirklich stimmige und atmosphärische Beschreibung der damaligen Zeit ab, die derart Interessierten sehr gefallen sollte, denn er hält sich eng an Fakten und beschreibt sehr authentisch.

Hier liegt aber auch die Schwäche des Autors: Wie schon in anderen seiner Bücher möchte er die Leute anscheinend unbedingt wissen lassen, wie belesen und informiert er doch ist, was sich nicht nur negativ auf die Seitenzahlen niederschlägt.

So ähneln manche Seiten beinah einer Geschichtesstudie und Dickens wird in so vielen Einzelheiten beschrieben, dass die Handlung manchmal kaum voran kommt. Dies führt bisweilen zu einer gewissen Gereiztheit des Lesers.

Die Geschichte an sich hat unendlich viel Potenzial und liest sich teilweise hervorragend. Außerdem mag ich die Idee an sich, einen viktorianischen Schauerroman über Dickens zu schreiben, denn als Person ist er alles andere als uninteressant. Nur leider überschätzt Simmons sich hier gewaltig und will einfach zuviel in seiner Handlung unterbringen: Zuviel Dickens, zuviel London…und auch die Fakten über Collins machen es nicht besser.

Seiten-Overkill mit tollem Schreibstil

Was hätte diesem Buch also gutgetan? Ganz klar: Ein radikaler Lektor, der die Hälfte davon wegstreicht und das Buch auf seine wesentliche Handlung konzentriert. Diese kommt nämlich nur langsam in Fahrt und wird durch zuviel Details ausgebremst. Das können auf Dauer auch Simmons toller Schreibstils und seine eingehenden Charakterzeichnungen leider nicht ausgleichen.

Dennoch: „Drood“ hat seine Momente und Liebhaber des viktorianischen Englands können trotzdem ihren Spaß daran haben. Ich hatte ihn, vor allem nachdem die Handlung erst einmal richtig begonnen hatte. Von der Art des Schreibens zeigt Simmons mal wieder, was er drauf hat. Es ist aber eine Geduldsprobe – wer sich dafür gerüstet fühlt: Viel Spaß mit „Drood“.

Clairice

Dan Simmons

Drood

976 Seiten

24,95 EUR

Heyne

 

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