Dan Brown – Das verlorene Symbol

Das Washington Monument © Bravesfan8456, CC BY-SA 3.0

Nach sechs Jahren kehren Robert Langdon und Erfolgsautor Dan Brown zurück. Sein neuer Roman „Das verlorene Symbol“ führt den Harvard-Professor diesmal nach Washington D.C., wo Langdon nicht nur einige Rätsel zu knacken hat, sondern sich auch noch im Wettlauf gegen die Zeit befindet. Schließlich muss er ein verlorenes Geheimnis wiederentdecken – und seinen Freund und Mentor Peter Solomon aus den Fängen eines Monsters retten.

Wieder einmal sitzt Symbologe Robert Langdon im Flugzeug. Er ist auf dem Weg nach Washington D.C., wo er auf Bitte des Sekretariats seines langjährigen Freundes und angesehenen Freimaurermitglieds Peter Solomon eine Rede im Kapitol vor ausgewähltem Publikum halten soll. Dort angekommen wartet allerdings eine Überraschung auf Langdon: Weder sind Gäste da, noch lässt sich Peter Solomon ausfindig machen. Stattdessen dämmert dem Harvard-Professor bald, dass er einem Schwindel aufgesessen ist. Solomon hatte ihn gar nicht nach Washington beordert. Aber Langdon wird schnell herausfinden, dass dieser dringend seine Hilfe braucht.

Ein gut gehütetes Geheimnis

Im Washingtoner Kapitol findet Langdon die abgetrennte Hand von Peter Solomon, die Finger auf ganz spezielle Weise tätowiert und zu einem Zeichen geformt, so dass Sie die symbolische „Hand der Mysterien“ darstellt. Als Entführer des Philantropen Peter Solomon, der einen der höchsten Ränge im Freimaurertum innehat, offenbart sich bald ein dämonenartiger Mann namens Mal’akh, dessen ganzer gewaltig muskulöser Körper von Tattoos dunkler Symbologie verziert ist. Mal’akh ist auf der Suche nach dem großen Geheimnis der Freimaurer, das nur wenigen bekannt ist und als dessen Hüter sich Peter Solomon herausstellen soll: Dem verlorenen Symbol, das seinem Entdecker unbeschreibliches Wissen und damit einhergehend übernatürliche Macht zuteil werden lassen soll. Und um dieses Geheimnis zu lüften benötigt Mal?akh die Hilfe von Robert Langdon.

Nach und nach dämmert es Langdon, warum ausgerechnet er vom Entführer ausgewählt wurde. Doch was hat das kleine Schächtelchen mit der ganzen Sache zu tun, das ihm Solomon vor Jahren anvertraut hat, um es zu verstecken? Zusammen mit dem Sicherheitschef des Kapitols und der hochrangigen CIA-Beamtin Inoue Sato findet Langdon heraus, dass auch das Kapitol mehr bereit zu halten scheint, als es den Anschein macht.

Wettlauf gegen die Zeit

Als schließlich eine geheimnisvolle Pyramide gefunden wird, von der es heißt, sie zeige den Weg zum letzten wahren Geheimnis, zum großen Wissen der Freimaurer, nehmen immer mehr Spieler an diesem Wettlauf gegen die Zeit und um das Leben Peter Solomons teil. Auch seine Schwester Katherine, eine Wissenschaftlerin, die ihre Studien mit ganz speziellen Untersuchungen zubringt, wird wie eine Schachfigur von Mal?akh auf das Brett geschickt. Die Positionierung seiner Figuren soll ihm ermöglichen, am Ende des Tages das große, jahrhundertealte Geheimnis zu lüften. Doch hinter allem und jeden steckt mehr, als man auf den ersten Blick vermuten mag. Und Robert Langdon und Katherine Solomon laufen Gefahr, das Ende der Nacht selbst nicht zu überleben.

„The Apotheosis of Washington“ – Gemälde von Constantino Brumidi im US-Kapitol © Raul 654, CC BY-SA 3.0

Allein die englischsprachige Startauflage von Das verlorene Symbol beträgt fünf Millionen Exemplare. Daran kann man erkennen zu was für einem Kultautor Dan Brown avisiert ist und welch eine Beliebtheit seine Robert Langdon Krimi-Verschwörungs-Thriller mittlerweile erreicht haben. Auch wenn von namhaften Literaturkritikern dem Autor mangelndes historisches Wissen, ein schlechter Stil und Unzulänglichkeiten in der Erzählstruktur vorgeworfen haben – sprich, seine Bücher dürfte eigentlich niemand lesen, weil sie nicht gut sind – so wird das Dan Brown ziemlich egal sein, denn kaum ein Autor freut sich derzeit größerer Beliebtheit als der Amerikaner. Und kaum ein Autor verkauft mehr Bücher. Allein an der Auflage kann man allerdings auch die Erwartungshaltung und den Druck erkennen, der auf Browns Schultern seitens der Verlage und Fans lastet.

Erwartungen erfüllt?

Hat er diese Erwartungen erfüllt? Zum Teil ja, zum Teil aber auch nicht. Das verlorene Symbol ist, im Vergleich zu Illuminati und Sakrileg, weniger mythisch und dafür etwas mystischer. Zwar jagt Dan Brown auch dieses Mal Robert Langdon wieder durch Verschwörungstheorien und sagenhafte Geheimnisse von Freimaurern, Rosenkreutzlern und – neu – Amerikas Gründungsvätern, doch scheint diesmal das Geheimnis, das verlorene Symbol, zu weit hergeholt, als dass man mit letzter Konsequenz den Ausführungen des Protagonisten folgen mag. Oftmals scheint sich Brown selbst nicht ganz sicher gewesen zu sein, in welche Richtung er Robert Langdon und das Ende des Buches schicken soll.

Initiationsritus der Freimaurer; Kupferstich von 1745

Zudem beginnt das Buch vielleicht etwas schleppender, als man das von Dan Brown gewohnt ist. Dafür nimmt es aber wie gewohnt im Laufe der Handlung Fahrt auf. Ganz besonders gelungen ist Dan Brown in Das verlorene Symbol Robert Langdons Antagonist und Entführer Solomons, Mal’akh. Dessen animalischer Trieb zur Entdeckung des versteckten Geheimnisses, sein Machtstreben und Hass auf Peter Solomon wird von Seite zu Seite erschreckender, aber auch immer klarer. Wie immer erhält Langdon eine charmante und kluge Frau an seine Seite. Einflussreiche Freimaurer erscheinen ebenso wie unerwartete Wendungen.

Erwartungen erfüllt!

Manchmal erscheinen gewisse Momente/Entwicklungen im Buch etwas zu sehr an den Haaren herbeigezogen und fernab der Realität, aber Langdon stürzte sich ja bekanntlich auch aus einem Helikopter in Illuminati. Und trotz all dieser kleinen Unpässlichkeiten erliegt man einmal mehr der gandenlosen Hatz Robert Langdons durch Geheimnisse, Mysterien und Geschichte. Das verlorene Symbol ist ein echter Dan Brown, Fans kommen garantiert auf ihre Kosten. Und das Buch ist garantiert kurzlebige Unterhaltung. Unterbewusst wird immer wieder der Finger zum Kauen an den Mund geführt. Das verlorene Symbol ist – wenn auch mit Abstrichen – auf jeden Fall lesenswert!

Florian Jetzlsperger

Dan Brown

Das verlorene Symbol
765 Seiten
26,00 Euro

Lübbe

Stand Oktober 2009

Share.