Cuban Fury – Dancefloor Hero mit Defiziten

England tanzt Salsa! Zumindest in der Komödie „Cuban Fury“, ab 19.6. im Kino, die leider etwas hüftsteif daherkommt.

von Nathalie Mispagel, Kinoexpertin auf academicworld.net

Echte Männer Tanzen: Bruce (Nick Frost) mit Salsa Tänzerin Alicia (Yanet Fuentes, alle Bilder © StudioCanal).

Zurück auf dem Parkett

Bruce (Nick Frost) ist ein Loser. Als kleiner Angestellter einer Londoner Maschinenfirma wird er von seinem unmöglichen Kollegen Drew (Chris O’Dowd) gegängelt, zu Hause wartet niemand außer dem vollen Kühlschrank. Entsprechend übel unauffällig und gut genährt sieht Bruce inzwischen aus. Daß er in seiner Jugend ein begnadeter Salsa-Tänzer war, der mit Schwester Sam (Olivia Colman) fast alle Turniere gewann, scheint nur mehr eine vage Erinnerung. Die kommt jedoch wieder hoch, als er sich in seine neue Chefin aus den U.S.A. verguckt. Julia (Rashida Jones) ist nicht nur gewitzt, freundlich und attraktiv, sondern begeistert sich für Salsa. Während Bruce noch zaudert, hat Drew bereits seinen nicht vorhandenen Charme gebündelt und ein schmieriges Auge auf Julia geworfen.

Da endlich erwacht Bruce aus seiner hingebungsvoll gepflegten Lethargie, kontaktiert den früheren Salsa-Lehrer Ron (Ian McShane), ein Original an Ruppigkeit, und wagt sich zurück auf das Parkett. Auf dem Weg zu frischem (Tanz-)Ruhm und (Liebes-)Ehren muß er nicht nur die Widerstände des eigenen Körpers, Kollegenhäme und das Unverständnis der Golfkumpels überwinden, sondern vor allem sein mangelndes Selbstbewußtsein. Ein Glück, daß ihm mit dem Salsa-Fan Bejan (Kayvan Novak) ein neuer Freund zur Seite steht. Mit schwuler Attitüde und liebenswerter Loyalität versucht dieser, das Leben von Bruce auf den Kopf zu stellen. Denn irgendwie gehört es genau dort hin.

Unverbindliche Episodenhaftigkeit

„Cuban Fury“ ist einer jener ’Ja, aber’-Filme. Eine supernette Ausgangsidee, aber eine unoriginelle Handlung. Tolle Darsteller, aber klischeehafte Charaktere. Hübsche Einzelsequenzen, aber kein überzeugendes Ganzes. Von der titelgebenden ’Rage’, jener gnadenlosen Leidenschaft wie Hitzigkeit eines lateinamerikanischen Tanzes, ist überdies ausgesprochen wenig zu erleben. Dabei funktioniert immer noch die Geschichte vom gutmütig-sanften Außenseiter, der trotz fieser Konkurrenz und dank verborgener Talente die Gunst der Angebeteten erringt. Freilich fehlt der Story hier von Beginn an eine wirkliche Bodenhaftung. Das ohnehin realitätsferne Geschehen wird durch die teils überzeichneten Figuren ins Märchenhafte entrückt und so endgültig der sozialen Glaubwürdigkeit wie des dramatischen Tiefgangs beraubt. Zurück bleibt keine raffinierte Parodie, vielmehr ein recht schlichtes Feel-Good-Movie, das sich mit unerschrockener Heiterkeit an den klassischen Stationen einer Rom-Com abarbeitet.

Viele witzige Szenen, etwa der wöchentliche, stets desillusionierende Beziehungs-Checkup von Bruce` Chaoten-Golftruppe oder Bejans Modeberatung, sprühen vor purer Spiellust. Doch ihre unverbindliche Episodenhaftigkeit verleihen dem Film allein Fülle, keine Dichte. Obendrein sind sie von völlig närrischen Momenten wie dem Dance Battle zwischen Drew und Bruce im Parkhaus flankiert. Zwar leichtfüßig erzählt und leichthändig von Regisseur James Griffiths inszeniert, ist „Cuban Fury“ ebenso leicht wieder vergessen. Nur zweierlei mag im Gedächtnis bleiben: der mitreißende Salsa-Sound, der den einzelnen Kabinettstückchen einen gemeinsamen, temperamentvollen Rhythmus verleiht, und die herrlichen Brit-Stars. Ihre Authentizität gibt dem Film dann doch einen Touch von echtem Leben.

Spiel- und tanzfreudige Darsteller

Explizit Ian McShane sticht hervor als etwas heruntergekommener ’grumpy old man’, in dessen Augen immer noch das Feuer des Salsa lodert und ihm eine spezielle Würde verleiht. Ebenfalls wissen Olivia Colman als Bruce` kesse Schwester und der kunstvoll überspannte Kayvan Nowak als persischer Salsa-Aspirant mit einer Schwäche für Fanta zu begeistern. Die ’Achse des Bösen’ wiederum verläuft genau da, wo der fabelhaft peinliche Chris O’Dowd sich zwischen dreistem Mobbing, penetranten Gockel-Posen und unvorteilhaftem Tanzstil bewegt. Nur Rashida Jones als Love-Interest überzeugt mehr mit einem strahlenden Lächeln als mit ihrer Darstellung, die von im amerikanischen Kino schon oft gesehenen Manierismen geprägt ist.

In der Titelrolle glänzt Nick Frost als tapsig-treuherziger Tanzbär, der sich zum wilden Tanzflächen-Tiger entwickelt. Auch wenn er einem Latin Lover wenig gleicht und eher Speck als Sex auf der Hüfte trägt, besitzt er dennoch den Swing. Ihm ist die schrägste und schönste Liebeserklärung des Films gewidmet. Während eines Turniers wird er in gespielter Verzweiflung von Kayvan abgesucht, denn er hätte ihm durch seinen Tanzstil etwas geraubt. Es ist… der Atem! Hier flackert plötzlich das wahre ’corazón’ des Salsa auf. Und das der Freundschaft.


Cuban Fury

Regie: James Griffiths
Darsteller: Nick Frost, Rashida Jones, Chris O’Dowd
Kinostart: 19. Juni 2014

Verleih: StudioCanal

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