Countdown zu Mord

Jack Reacher ist kein Unbekannter mehr, seit er von Tom Cruise auf der Leinwand verkörpert wurde. Jetzt erschien mit „61 Stunden“ das nächste Buch der Jack-Reacher-Reihe vom Autor Lee Child, in dem unser Held dem Bösen mit simplen, aber sehr präzisen Mitteln das Handwerk legt.

Ein neuer alter Typus „Held“

Da reist ein Mann alleine in einem Bus voller Rentner von einem Bundesstaat in den nächsten. Ohne Koffer, ohne Tasche – nur mit den Klamotten am Leib. Wer ist er, woher kommt er und wohin lässt er sich treiben?

Versierte Leser wissen: Das kann nur Jack Reacher sein. Der Typ, dessen Vergangenheit normaler nicht sein könnte. Da gibt es keine Kindheitstraumata, die aus ihm einen Helden gemacht haben. Er ist einfach so. Scheut Beziehungen, scheut Besitz, Eigentum und das allzu lange Verweilen an einem Ort. Trotzdem schafft er es, über einen Mord zu stolpern, bei dem er gar nicht anders kann, als der Polizei vor Ort zu helfen. Immerhin geht es um das Leben einer alten Lady, einer operativ aktiven Gang im lokalen Gefängnis, einen Mörder in den eigenen Reihen und die Überbleibsel des kalten Kriegs.

Erfrischend oldschool

Wer immer wieder mal in das Genre des Krimis reinschnuppert, der weiß, was Sache ist. Die Tatorte werden immer ausgefallener, die Morde immer grausamer und fantasievoller. Warum? Ist unser grusel-Vorstellungsgefühl so ruiniert und ausgelaugt, dass wir einen immer höheren Reiz brauchen? Verlieren die Gruselgeschichten ihre Schauder-Effizienz?

Im Gegensatz dazu liest sich Lee Child geradezu erholsam. Er schafft es, einen spannenden Krimi zu verfassen, der nicht durch möglichst grausame Taten bestechen muss. Vielmehr sind es „klassische“ Morde und ein intelligentes Komplott, wie wir es kennen sollten. Der Autor fasziniert seine Leser mit seinen Charakteren, die dem Countdown unwissend gegenüberstehen und doch zentraler Teil des ganzen Komplotts sind. Der Ort des Verbrechens ist im amerikanischen Nirgendwo und es war eine einfache Schusswunde, die den Mann getötet hat. Was man alles an Handlung hinter einer solchen Tat verstecken kann, das erfahrt ihr bei Lee Childs „61 Stunden“. Das Buch wartet quasi auf seinen lauschigen Herbstabend, an dem es begierig gelesen werden möchte!

Wer genau aufpasst, bekommt übrigens mit, wer der eigentliche bad boy ist. Das ist aber gar kein Drama, denn selbst wer es vor dem Vorhang herausfindet, weiß damit noch lange nicht alles.

Kathrin Schmidt (academicworld.net-userin)

Lee Child. 61 Stunden.
Blanvalet. 19,99 Euro.

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