Commissario Montalbano verliebt sich

Wer ist der namenlose Tote auf der Luxusjacht? Und wie soll Montalbano seiner Freundin erklären, dass er sich in eine andere Frau verliebt hat? Die Hörbuch-Fassung des Camillieri-Krimis bietet beste Unterhaltung.

Ein namen- und gesichtsloser Toter, der im Fahrwasser einer Luxusjacht angespült wurde, gibt Commissario Montalbano Rätsel auf. Und auch die extravagante Schiffsbesitzerin benimmt sich mehr als seltsam, als der Polizist seine Ermittlungen aufnimmt. Was hat sie zu verbergen? Wer ist der Tote? Und was hat es mit dem jungen Mädchen auf sich, das Montalbano durch einen Zufall kennengelernt hat und das vorgibt, die Nichte der mondänen Kapitänin zu sein, obwohl diese sie gar nicht zu kennen scheint?
Es ist ein schwieriger Fall, den der Commissario hier zu lösen hat.

Als er Laura, die schöne Chefin der Hafenkommandatur, kennenlernt und sich in sie verliebt, steht auch noch sein Privatleben Kopf. Und auch Laura scheint seine Gefühle zu erwidern. Doch dann ist da noch Livia, Montalbanos Freundin, der man so gut wie nichts verheimlichen kann …

Ernste Thematik mit ironischem Unterton

Eigentlich ist es ja eine relativ ernste Thematik, die Andrea Camillieri in seinem Kriminalroman anspricht: ein alternder Polizist, der sich Hals über Kopf in eine junge Frau verliebt und seine bisherige Beziehung in Frage stellt. Trotzdem wählt der Autor bei seinen Schilderungen des Kommissars einen teilweise humoristischen und ironischen Unterton, zum Beispiel wenn Montalbano gleich zu Beginn der Handlung von seiner eigenen Beerdigung träumt. Auch verschiedene Handlungselemente entsprechen diesem Muster.

So lässt sich einer der Ermittler auf Befehl des Kommissars sogar auf eine sexuelle Beziehung mit der Kapitänin des Schiffs ein, um an Informationen zu gelangen – ein Körpereinsatz, der doch etwas übertrieben scheint. Bodo Wolf gelingt es als Sprecher sehr gut, diesen Unterton zu vermitteln und einen Bezug zwischen Hörer und Hauptfigur herzustellen.

Diese Elemente sorgen jedoch auch dafür, dass der Hörer eine gewisse Distanz zu dem Geschehen und den Figuren behält. Trotzdem bekommt er eine gute Vorstellung der Gefühlswelt des alternden Kommissars. Vor allem das Ende ist sehr dramatisch, was nicht so recht zu dem ironischen Ton passen mag. 

Fazit:
Die Geschichte ist bis zum Schluss spannend und die Handlung  lange Zeit sehr undurchsichtig gestaltet. Ein Fall für echte Camillieri-Fans.

(MTS, academicworld-userin)

Andrea Camillieri. Die Tage des Zweifels: Commissario Montalbano träumt von der Liebe.
Bastei Lübbe Audio Verlag.

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