Captain Hook-Up

Hook-up cultur: Wer jetzt denkt, das hätte was mit Piraten zu tun oder wäre eine neuer Alpensport, irrt. Es handelt sich hierbei um den brandaktuellen Umgang mit Sex.

Katharina Ohana, Psychologin, Bestsellerautorin und academicworld-Expertin

Nachdem an amerikanischen Eliteunis der Leistungsdruck so hoch geworden ist, dass sich der permanent unterdrückte Trieb im „Spring Break“ Bahn bricht, wo man dann in Florida zwei Wochen eine Art Ballermann-Exzess XXL veranstaltet (Saufen, Sex, Saufen, Sex….), hat dieses Verhalten jetzt auf die gesamte Dating-Kultur Amerikas übergegriffen.

Beziehungen werden nur noch als lästige Zeitverschwendung im Karriereplan gesehen. Also wird Freitag- und Samstagabend in einschlägigen Bars in schnellster Zeit so viel wie möglich Schnaps getrunken und dann jemand abgeschleppt, dessen Namen man nicht mal kennt und auch nicht kennen will. Man tauscht während des Saufens höchstens You-Porn-Videos aus und spielt das dann nach.

Es gibt seit diesem Sommer auch schon eine Serie zur Bewegung: `Girls´. Vier junge Frauen in New York. Aber wem das bekannt vorkommt, irrt wieder. Die vier Protagonistinnen auf High Heels auf der Suche nach Mr. Perfekt aus `Sex and the City´ waren gegen dieses `Girls´ so konservativ, wie die Piusbrüder und verleugneten auch ähnlich umfangreich die Realität.

Die neuen Girls kümmern sich nicht mehr um Schlankheitsideale und Heiratsträume. Wozu auch: Für den schnellen Sex mit einem betrunkenen Angeber-Arschloch, an dem man sich am nächsten Tag nicht mehr erinnern kann? 

Nachdem die gut verdienenden Männer der Mittelklasse nun lang genug, von biologischer Uhr und Verantwortung befreit, die Macht über die Frauen hatten (dank sexueller Revolution, Feminismus und Selbstverdienerinnen), ihre sexuellen Abenteuer nicht bereit waren aufzugeben für eine feste Bindung (warum auch: Sexuelle Eroberungen waren ja das einzige, was noch als wirklich männlich galt und was einem der Feminismus nicht kaputt machen konnte, denn die Frauen wollten ja immer noch gut verdienende Männer haben, weil sie ja bei der Familienplanung den Ernährer immer noch brauchten), ist jetzt also Schluss mit lustig – für beide Gegner.

Wenn Männer denken, sie könnten sich wie rücksichtslose Deppen verhalten, ziehen die Frauen eben nach. Und wenn endlich die Kinderbetreuung und Frauenquote so ausgebaut wird, dass man auf die Mithilfe der Männer nicht mehr angewiesen ist, brauchen Frauen Männer für Beziehungen und das ganze romantische Getue auch nicht mehr und müssen sich nicht mehr verbiegen und erniedrigen, nur um einen Heiratsantrag zu erschleichen. Und die Wirtschaft freut’s: Maximale Leistungssteigerungen, Karriereanstrengungen, Selbstausbeutung, Kompensationskonsum, Dienstleistungsumsatz, etc. Soziale Abhängigkeit (Liebe) war gestern. Maximale Eigennutzenrechnung ist heute.

Schöne neu(rotisch)e Welt.

Von Katharina Ohana, Psychologin, Bestsellerautorin und academicworld-Expertin

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