Brandenburgs Geheimnisse

Eine zerstückelte Leiche, Urwaldschweinen im Zoo zum Fraß vorgeworfen. Ein tödliches Geheimnis in einem alten brandenburgischen Dorf. Eine Ermittlerin und Psychologe auf der Jagd nach der Wahrheit – ja, Elisabeth Herrmann hat mal wieder zugeschlagen. Nach „Zeugin der Toten“ hat sie es erneut geschafft, einen Roman vorzulegen, der die Werke auch vieler männlicher Kollegen in puncto Spannung aber auch Brutalität hinter sich lässt. „Das Dorf der Mörder“ ist harter Tobak und verlangt in einigen Passagen durchaus hartgesottene Leser, belohnt dafür aber auch mit Spannung und überraschenden Einblicken.

Brandenburgs Geheimnisse

Vom Berliner Zoo in die Vergangenheit

Mit ihrer talentierten Schreibe, die mich merkwürdigerweise phasenweise recht stark an Jean-Christophe Grangé erinnerte, erzählt sie mithilfe zweier Hauptprotagonisten eine Geschichte, die aus der Berliner-Jetztzeit hinein in längst vergangene Jahre in der brandenburgischen Provinz zurückreicht.

Die beiden Hauptprotagonisten sind hierbei Sanela Beara, eine gebürtige Kroatin, die in Berlin als Schutzpolizistin ihren Dienst verrichtet, und der Psychologie studierende Jeremy Saaler, der schon bald mit der Täterin des Berliner Zoo-Mordes konfrontiert wird.

Mehr als nur eine Mördersuche

Das große Talent Elisabeth Herrmanns besteht nun darin, diese Charaktere alle durch die Bank glaubhaft und menschlich zu zeichnen, ohne den Spannungsbogen der Handlung aus dem Auge zu verlieren. Sie baut ab der ersten Seiten ein Setting auf, das sowohl als exotisch bezeichnet werden kann, auf der anderen Seite aber genuin in den Wendezeiten der Bundesrepublik Deutschland wurzelt. Wie auch in all ihren anderen Büchern ist Elisabeth Herrmann eine talentierte Autorin, deren Romane stets über eine simple Mördersuche nach Schema F hinausweisen. Im „Dorf der Mörder“ spielt eine großer Teil des Romans in einem völlig zu Tode gentrifizierten Dorf, dessen Grundstimmung auch gut durch das Cover eingefangen wird. Sie zeigt einen Landstrich, der in weiten Teilen ebenso perspektivlos wie tot ist. Dies gelingt der Autorin durchaus eindringlich und ist  alleine schon um die großartigen Bilder, die die Autorin entwirft, die Lektüre wert.

Krimihighlight 2013

So gekonnt wie Elisabeth Herrmann ringt gegenwärtig wohl kein Autor und keine Autorin den Ost-West-Zeiten der Bundesrepublik und ihrem schwierigen Werdegang bis in unsere Tage solch spannende Facetten ab, wie es der gebürtigen Hessin gelingt. Zählte „Zeugin der Toten“ zu meinen favorisierten Kriminalromanen des Jahres 2011, so gilt dies unverändert auch für „Das Dorf der Mörder“ im Jahr 2013.

Marius Müller (academicworld.net-User)

Elisabeth Hermann. Das Dorf der Mörder
19,99 Euro. Goldmann
 

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