Borgia: Kabale und Liebe im Vatikan

Keine andere Familie verkörpert die Zerrissenheit der Renaissance so stark wie die Borgia. Zwischen Aufstieg und Selbstzerstörung, zwischen schöpferischem Geist und Zerstörungswut, zwischen Familienzusammenhalt und erbitterter Geschwisterfeindschaft haben Papst Alexander VI. und seine illegitimen Sprösslinge es geschafft, sich einen ganz speziellen Platz in der Geschichte zu sichern.

Der Kampf ist eröffnet

Trotzdem waren sie den breiten Massen bis vor kurzem kaum ein Begriff. Jetzt gibt es binnen kurzer Zeit gleich zwei TV-Serien, die sich mit ihren Intrigen und Machenschaften auseinandersetzen. Den Anfang machten die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender mit der europäischen Co-Produktion „Borgia“ – ein nicht unerheblicher Erfolg im Fernsehen. Seit Kurzem gibt es die Doppel-Folgen bei Studiocanal im Directorscut auf DVD zu erwerben, ab 1. Dezember dann auch die komplette Staffelbox. Wie sich die amerikanische Konkurrenz im Privatfernsehen schlagen wird … man wird sehen.

Inzest, Geschwistermord, Ämterkauf und Vetternwirtschaft – kaum ein Übel, dass der Familie der Borgia im Lauf der Geschichte und auch schon von den Zeitgenossen nicht vorgeworfen worden wäre. Wenn auch nur die Hälfte davon stimmt, waren sie schon ein ziemlich verworfener Haufen. Perfekt also für Fernsehunterhaltung vom Feinsten.

Borgia © Studiocanal

Soviel Ärger an nur einem Tisch. © Studiocanal

Familienzwistigkeiten und andere Feindschaften

Rodrigo Borgia hat nur ein Ziel: er will Papst werden! Als er dies erreicht hat, gilt es die lieben Kindlein zu versorgen. Juan soll eine herausragende Stellung im weltlichen Machtgefüge Europas einnehmen, Cesare in der Kirchenhierarchie; Töchterchen Lukrezia möglichst gewinnbringend verheiratet werden. Wie dumm, dass die kleine eigentlich nicht heiraten will, der angehende Kirchenfürst nur den Ausbruch aus der enge des Klerus sucht und auch der zweite Sohn ein reichlich unbeherrschter Knabe ist – herrschaftlich wie persönlich. Wenn man dann als alternder Papst auch noch Ärger mit der jungen Geliebten hat … Gott steh‘ einem bei.

Opulent und rasant inszeniert weiß die Serie durchaus zu fesseln, auch wenn sich eigentlich keiner der Charaktere so recht zur Identifikation anbietet. Mit malerischen Landschaften, aufwändigen Kulissen und guten Darstellern kann man aber auch so viel nicht falsch machen. Leider konzentriert sich die Handlung zu sehr auf die ach so modern wirkenden Grabenkämpfe und lässt das Zeitkolorit etwas vermissen. Gerade die Tatsache, dass es nicht die allseits bekannten Gesichter sind, die die Szenerie bevölkern, macht es leicht sich auf Charakterwandlungen und Gehässigkeiten einzulassen. Und plötzlich scheint der eigene Familienzwist kaum mehr der Rede wert.

Gisela Stummer (academicworld.net)

Borgia – Die komplette Serie [Director’s Cut]

Darsteller: John Doman, Isolda Dychauk, Mark Ryder, Diarmuid Noyes, Art Malik, Andrea Sawatzki
Regisseur(e): Oliver Hirschbiegel, Metin Hüseyin, Christoph Schrewe, Dearbhla Walsh
Von Studiocanal

Stand November 2011
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