Blumenmädchen

Ein kleines Mädchen, das in der Blüte eines Bambusspross gefunden wird, wächst zu einer überaus hübschen Frau heran. Doch wie das bei Menschen so ist, soll ihr Leben den größtmöglichen Sinn ergeben. Für ihren Adoptivvater heißt das: Eine akzeptable Heirat muss her. Ein zuckersüßes und bedeutsames Drama in vielen Pinselstrichen.

Ein alter Bambussammler findet in einem leuchtenden Bambushalm eine fingergroße Prinzessin, die er voller Stolz zu seiner Frau bringt. Als diese das kleine Wesen berührt, verwandelt es sich in ein Baby, das schnell zu einer jungen Frau heranwächst. Doch als der Bambussammler im Wald Gold und erlesene Stoffe findet glaubt er zu erkennen, dass sich die Götter eine große Zukunft für die Bambusprinzessin wünschen. Und weil das Kind einen Namen braucht, wird sie kurzerhand zur Prinzessin Kaguya genannt. So bringt er die strahlend schöne Kaguya in die Stadt, wo sie in einem Palast in der höfischen Etikette unterrichtet wird, um sie mit einem Adeligen zu verheiraten. Doch Kaguya fühlt sich gefangen und sehnt sich nach der Unbeschwertheit ihrer Kindheitstage zurück. Eines Abends steht sie vor dem Vollmond und fleht ihn an, sie von dieser Erde zu holen. Mit unerwarteten  sowie überaus gravierenden Folgen …

Schönheitsideale damals – und heute 😉

Die Kritik

Was ist denn nun die zugrundeliegende Diskussion des Films? Es geht um nichts mehr oder weniger als „das Lebensglück“. Das Streben des Vaters ist kein rein materielles, für ihn bedeutet es schlichtweg glücklich zu sein, wenn seine Tochter eine gute Heirat bekommt. Deswegen ist er nicht das personifizierte Böse oder ein schlechter Vater. Doch sein Glück läuft auf den Kosten seiner Tochter. Die ist sich bewusst, dass eine gesellschaftlich anerkannte, aber emotional tote Heirat sie nicht glücklich machen wird. Also hadert sie mit ihrem Streben und ihren Interessen gegen die eine: ihren Vater glücklich zu sehen. Der immerwährende Generationenkonflikt, bei dem eines am Ende steht: Jeder lebt in seiner eigenen Welt, versucht, den richtigen Weg zu erwischen, und dann? Kommt es komplett anders als gedacht.

Soviel zum Inhalt. Der Film ist ein gezeichneter, was nicht heißt, dass er an Marvel erinnert oder Asterix oder Donald Duck oder … Hier führt ein Genie imaginäre Regie und kombiniert Techniken von realen Filmen mit von Hand gezeichneten Bildern. Das Ergebnis ist eine fulminante Darstellung, bei der aktuell jeder Superheld den Hammer mal zuhause lassen muss.

Der Clou an der Sache? Die Legende ist keineswegs neu! Sie basiert auf einer alten japanischen Volkserzählung aus dem 10. Jahrhundert. Die Bearbeitung von Isao Takahata ist allerdings die erste animierte und lange Adaption des Märchens. Er verdeutlicht behutsam die Kehrseite des Strebens nach Besitztümern, die Vergänglichkeit von Schönheit und die Bedeutung von wahrer Liebe auf eine noch nie dagewesene, kunstvolle Art.

Absolute Empfehlung!

Bettina Riedel (academicworld.net)

Die Legende der Prinzessin Kaguya

Seit dem 26. April im Vertrieb der Universum Film Home Entertainment als DVD SPECIAL EDITION, DVD und BLU-RAY im Handel erhältlich.

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