Bengtsson: Submarino

Kindheitserinnerungen sind oft die schönsten, sie begleiten einen ein Leben lang und spenden nicht wenigen in schwierigen Phasen Trost. Was aber, wenn die Kindheitserinnerungen keine Zuflucht sein können, sondern eine Bürde? Mit genau diesem Thema beschäftigt sich Jonas T. Bengtsson´s neuer Roman „Submarino“.

Zwei Brüder leben mit ihrer Vergangenheit

Nick und sein älterer Bruder erlebten eine von Vernachlässigung und Gewalt geprägte Kindheit. Die Lieblosigkeit der Mutter und der Tod des kleinen Bruders lassen beide Männer auch im Erwachsenenalter nicht los.
Voneinander entfremdet versucht jeder auf seine Weise die grässlichen Bilder der Vergangenheit aus seinem Gedächtnis zu löschen. Nick entwickelt sich zum sportbessenen, aggressiven Alkoholiker, sein Bruder, inzwischen selbst Vater eines kleinen Jungen, wird Heroinabhängig und lebt nur noch für den nächsten Schuss.

Die Sucht ist stärker als die Bruderliebe

Als ihre Mutter stirbt, sehen sich die Brüder das erste Mal nach Jahren wieder. Doch die Versuche sich einander wieder anzunähern scheitern, da es keiner der beiden schafft, aus seinem von Sucht bestimmten Leben auszubrechen. Nick betrinkt sich weiter jeden Tag hemmungslos, sein Bruder konsumiert weiter Drogen und beginnt zu dealen, um seinem Sohn Martin einen besseren Lebensstandard zu ermöglichen.

Die Realität schlägt zu

Es kommt schließlich, wie es kommen muss: Nick wird wegen Beihilfe zum Mord verhaftet, sein Bruder beim Dealen aufgegriffen. Beide kommen ins Gefängnis. Nick sitzt seine Strafe ab, doch sein Bruder, auf kaltem Entzug, ertränkt sich bereits nach einigen Tagen selbst in der Toilette.

Tiefschürfende Themen salopp geschildert

Obwohl Bengtsson´s zweiter Roman solch schwierige Themen anschneidet, schafft er es leider nicht die dafür nötige Tiefe herzustellen, sondern kratzt nur an der Oberfläche. Der Erzählton von Submarino ist leider äußerst monoton gehalten, und die Sicht des Erzählers wirkt sehr abgestumpft.
Alles wird völlig emotionslos geschildert, so dass das Buch eher einem Tatsachenbericht ähnelt als einem Roman. Die Thematik des Buches – die Auswirkungen der Kindheit auf das gesamte Leben – ist äußerst erzählenswert, eine etwas literarischere „Verpackung“ dafür wäre allerdings wünschenswert gewesen.

Sarah Kraus

Jonas T. Bengtsson
Submarino
383 Seiten
19,90 Euro

Klett-Cotta

Stand November 2009
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