Bauern verprügeln sich …

Passend zu Island als diesjährigem Partnerland der Frankfurter Buchmesse bringen viele Verlage aktuell Bücher von der Insel im hohen Norden auf den Markt. Einige besonders schöne hat sich Suhrkamp ausgesucht, unter anderem eine Sammlung der schönsten isländischen Sagas.

Buchcover zu ‚Die Schönsten Isländischen Sagas‘ © Insel Taschenbuch

Zurück zu den Wurzeln
Wenig hat so viel Einfluss auf das kulturelle Gedächtnis eines Landes beziehungsweise einer Kultur wie die jahrhundertelang überlieferte Sagenwelt. Einen besonders reichhaltigen Schatz diesbezüglich haben, schon allein angesichts der begrenzten Räumlichkeit, die Isländer. Vier ausgewählte Sagas fanden nun Eingang in die Sammlung des deutschen Verlages.

Was diesen vier und vielen weiteren Überlieferungen gemeinsam ist, ist der Handlungszeitraum. So wie für die deutschen Sagen die Völkerwanderungszeit oder für die französischen die Zeit um die Regentschaft von Karl dem Großen, so scheint für die Isländer die Christianisierung die prägende Epoche zu sein. Kurz nach diesem geistesgeschichtlichen Umbruch sind die Sagas angesiedelt. Noch tauchen sie auf, die alten Zauberinnen und Zauberer, die vorher die Mentalität prägten. Noch haben sie Einfluss auf das Denken und Handeln der Charaktere.

Konflikte und Lösungsversuche
Wie das Vorwort der Ausgabe schon anführt: „Bauern verprügeln sich“ – auf diese Formel brachte Jón Grunnvíkingur im 18. Jahrhundert den Inhalt der Isländersagas. Aufgeschrieben im 13. Jahrhundert referieren die etwa 40 überlieferten Texte auf die Zeit des 9. Und 10. Jahrhunderts – die Zeit um und kurz nach der Landnahme der Insel. Das so etwas nicht ohne Konflikte und Reibungspunkte von Statten geht ist leicht denkbar.

Die Lösungsversuche freilich, die die Texte anbieten, können und sollten wir heute nicht mehr gut heißen. Anlass für Streit kann vielerlei sein, meist aber handelt es sich um Problem bezüglich Grund und Boden oder Beleidigungen, die die Ehre in Mitleidenschaft ziehen. Egal ob Gunnar in der „Saga von Njal“ versucht die Schnitzer seiner missgünstigen Frau auszubügeln oder Grettir in der „Saga von Grettir“ versucht seinen Zorn und Fluch im Zaum zu halten – meistens Enden die Geschichten mit enormen blutigen Verlusten.

Eine phantastische Kriegerwelt voller Wikinger und Wiedergänger, Geister und Gemetzel, Intrigen und Abenteuer präsentiert sich dem Leser hier. Nicht immer leicht und locker zu konsumieren – der Schreibstil ist sagen typisch etwas holprig – aber allemal lesenswert, für alle Fans der Insel im Eis und solche, die es werden wollen.

Gisela Stummer (academicworld.net)

236 Seiten
Insel taschenbuch (25.07.2011)
8,95 €


Stand: Herbst 2011

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