Auszug aus dem Paradies

Wie das titelgebende Seil, das die Bauern fesselt, so zieht auch das Buch von Stefan aus dem Siepen die Leser in seinen Bann. Achtung: Zwischendurch aufhören ist schwierig …

Rezension "Das Seil"

Bernhardt der Bauer ist schuld. Er findet ein Seil. Das Seil liegt am Rande des Dorfes, wo die Felder in den dunklen Tann übergehen. Die heile Dorfgemeinschaft gerät aus ihren Fugen. Die Wissbegierde, verbal befeuert vom körperlich missratenen Schulmeisterlein, kommt über die Bauern. Natürlich sind es die Männer, die sich schließlich auf dem Weg machen, das Ende oder den Anfang des geflochtenen Taus zu finden. Sie wollen diesem mysteriösen Seil auf den Grund gehen. Zurück bleiben Babys, Kinder, Frauen, Alte und die erntereifen Felder, das Ende des Sommers naht. Der Auszug aus dem Paradies hat begonnen.

Der Charakter des Surrealen

Der Autor, Stefan aus dem Siepen, hat für seine Geschichte einen ganz eigenen, ruhigen Ton gewählt. Seine exakte Sprache klingt bedächtig, altmodisch und ein wenig poetisch. Sein Buch, eine „fabelhafte Parabel“, erzählt von einem Aufbruch, vom Wahn und von dem Ende einer kleinen Ordnung. Diese Geschichte ist zeitlos, sie könnte überall und immer passieren. Die surreale Ausgangssituation bietet den Rahmen für eine Charakterstudie. Wie verhalten sich unterschiedliche Menschen in einer ungewohnten Situation? Welche Aspekte ihrer Persönlichkeit treten zutage? Wie verhält sich der Einzelne in der Gruppe? Und wo bleibt die Vernunft, wenn es auf sie ankommt?

Mein erster Gedanke beim Lesen war „Das Seil ist das Buch ist das Seil“. Wer einmal dem Autor auf den Leim gegangen ist und das Buch begonnen hat zu lesen, der liest beharrlich weiter, ganz so wie die Bauern entlang dem Seile wandern. 

Insgesamt eine kurze, interessante und lesenswerte Geschichte.

T. N. (academicworld.net-User)

Stefan aus dem Siepen. Das Seil
14,90 Euro. dtv

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