Aus dem Nichts ein Rennauto konstruieren

Start!

Einen Rennwagen zu bauen klingt nach einem typischen Männertraum. Ist die Formula Student auch für Frauen interessant?

Mit Sicherheit. In unserem Team lag der Frauenanteil schon zu Beginn bei 20 Prozent. Sogar eine Germanistin, die die Öffentlichkeitsarbeit übernommen hat, hat unser Team verstärkt. Es  mussten Pressemitteilungen herausgegeben und Veranstaltungen organisiert werden.

Speziell dieser Bereich ist für viele Frauen interessant, die sonst nicht so viel Bezug zu Technik haben. In der Summe der Teams ist der Frauenanteil höher als der Anteil von Frauen in technischen Studiengängen in Deutschland. Das liegt natürlich auch daran, dass man eben nicht Ingenieursstudent sein muss, um an der Formula Student teilzunehmen. Das ist ein ganz wichtiger Faktor. Der Wettbewerb soll interdisziplinär sein.

 

 

Die Formula Student nimmt parallel zum Studium sehr viel Zeit in Anspruch. Lässt sich das überhaupt vereinbaren?

 Es ist auf jeden Fall eine erhebliche Belastung. Aber es hat mir immer so viel Spaß gemacht, dass ich es nicht als solche empfunden habe. Vielmehr habe ich die Zeit als einen integralen Bestandteil meines Studiums wahrgenommen. Ich habe durchaus die ein oder andere Vorlesung verpasst, weil ich stattdessen in der Halle an unserem Boliden gewerkelt habe – das ist richtig – aber ich bin der lebende Beweis dafür, dass man nicht zwangsweise länger studieren muss, wenn man bei der FS mitmacht.
Sind die Teilnehmer der Formula Student denn besonders attraktiv für die Unternehmen?

 

Ich habe mich mit dem Konstruktionschef eines großen deutschen Autoherstellers unterhalten und ihn gefragt, ob es für ihn bei der Einstellung relevant sei, ob ein Bewerber bei der Formula Student mitgemacht hat. Darauf hat er mir geantwortet: „Nein, aber ich stelle auch keinen ein, der nicht teilgenommen hat.“ Ich denke, dass spricht für sich.

Das Feedback das wir aus der Industrie bekommen ist durchweg positiv. Es heißt, dass die Absolventen schneller in der Lage sind Verantwortung zu übernehmen und sich auch wesentlich schneller in Sachverhalte einarbeiten und sich in Teams integrieren können.

Was würden Sie sagen. Warum sollten Studenten unbedingt an der FS teilnehmen? 

Es gibt nichts Besseres. Man lernt bei diesem Projekt tatsächlich abgesehen von der Serienproduktion alle Wertschöpfungsprozesse in einem Unternehmen kennen: Interdisziplinäres Arbeiten, teaminterne Abstimmungsprozesse, Projektpläne ausarbeiten, die Konstruktion und das Einhalten des Budgets, mit all diesen Materien setzt man sich auseinander  und nebenbei erlernt man spielend die englische Sprache.

Es ist ein unglaublicher Lernprozess, ein unglaubliches Ausbildungsprogamm für Studierende, aber nicht, weil es im eigentlichen Sinne lehrt, sondern, weil man sich das meiste selbst beibringt. Der Rennwagen dient dabei eigentlich nur als Vehikel, um die Leute zu motivieren.

Sie sind inzwischen Mitveranstalter der Formula Student Germany. Warum haben Sie sich entschlossen, der Formula Student auf diese Weise treu zu bleiben?

Als sich meine Studienzeit dem Ende näherte und damit auch die Möglichkeit weiter aktiv an der FS teilzunehmen, habe ich mir mit ein paar Kommilitonen überlegt, wie wir dennoch weiter an diesem tollen Projekt mitarbeiten können. Wir wollten nicht wahrhaben, dass diese schöne Zeit jetzt einfach vorbei sein soll. Schnell kam die Idee auf, dass man einen solchen Wettbewerb doch auch in Deutschland, dem Mutterland des Automobils, organisieren könnte.

Dann haben wir den FSG e. V. gegründet und mit Dr. Vollrath und dem VDI als Ausrichter einen Partner gefunden, der uns bei unserer Idee unterstützen wollte. Unser Ziel war es, unsere eigenen Erfahrungen als Teilnehmer mit in die Planungen einzubeziehen, um so ein Event auf die Beine zu stellen, dass die Bedürfnisse der Teams berücksichtig.

Bei Porsche in Leipzig haben wir auf einem Pre-Event dann einen Probelauf durchgeführt und dabei noch viel Optimierungspotenzial erkannt. Es war eine unglaublich tolle Erfahrung; wir hatten sehr viel Spaß und auch die Teams waren sehr angetan – das haben wir von Anfang an gemerkt. Die Wettbewerbe, die es bis dahin gab, waren alle von Verbänden und Menschen organisiert worden, die nie selbst an der FS teilgenommen haben. Wir waren die Ersten, die tatsächlich mit dem Hintergrund der eigenen Erfahrungen an die Sache herangehen konnten.

Am Hockenheimring haben wir schließlich eine tolle Infrastruktur gefunden, mit der wir den Bedürfnissen der Teams gerecht werden können. Die Teams wissen das zu schätzen. Das war von Anfang an unser Credo: „Wir machen das für die Teams und haben Spaß dabei.“ Entsprechend war das Feedback beim ersten Event 2006. 2011 hatten wir bereits 108 Autos beim Event und in diesem Jahr werden es wohl noch mehr.

Herzlichen Dank für das Gespräch, Herr Hannig und viel Erfolg weiterhin!

 Stand: 2012
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