Aus dem Nichts ein Rennauto konstruieren

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Was hat ihnen dann als Orientierungshilfe gedient?

Wir haben uns zu Beginn stark am Stralsunder Team orientiert, die sehr offen zu uns waren. Das ist etwas, was die gesamte Formula Student auszeichnet. Auch wenn die Teams hier in einem Wettbewerb gegeneinander antreten, unterstützt man sich. Natürlich will jedes Team gewinnen, aber trotzdem gibt es keinen Konkurrenzkampf im eigentlichen Sinne. Vielmehr sind alle daran interessiert, gemeinsam besser zu werden. Das Team aus Stralsund hat uns zu sich eingeladen, sie haben uns ihr Auto gezeigt und viele wertvolle Tipps gegeben, eine regelrechte Entwicklungshilfe.

Mit Tipps alleine baut man aber noch kein Auto.

Richtig. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt lediglich eine leere Halle, in der nichts stand außer einem Tisch. Doch darüber hinaus hatten wir zwei Dinge in der Hand. Erstens das englische Reglement, die Bibel für den Wettbewerb, gespickt mit vielen speziellen technischen Begriffen, die man zunächst kaum versteht. Und ein Programmheft vom Wettbewerb in England mit vielen Fotos. Das hat uns erheblich geholfen. Damit haben wir begonnen zu konstruieren.

Wir haben Gruppen gebildet für das Thema Struktur, also für den Rahmen, eine Gruppe für den Motor und Antriebsstrang, eine für das Fahrwerk, die Elektrik und das Cockpit und dann haben wir in diesen Gruppen angefangen zu diskutieren. Speziell am Anfang gab es viele lebhafte Diskussionen beispielsweise, ob wir jetzt ein Monocoque oder einen Gitterrohrrahmen bauen. Dann haben wir angefangen eine Gitterrohrrahmenstruktur zu zeichnen, die den Regeln entsprach und dies mit der Fahrwerksgruppe abgestimmt.

Und das Herzstück des Rennwagens – der Motor?

Zunächst hatten wir keine Ahnung, welchen Motor wir überhaupt nehmen. Wir haben uns für den am weitesten verbreiteten und günstigsten entschieden, den CBR 600 von Honda.

Diesen Motor verwendeten damals 90 Prozent der Teams. Unser erster Sponsor die Claas Stiftung hat 1.000 Euro beigesteuert, mit denen wir den ersten Motor bei eBay kaufen konnten. Das war ein Meilenstein für uns. Plötzlich stand in der leeren Halle ein Motor. Ab diesem Zeitpunkt hatten wir ein richtiges Ziel vor Augen und konnten uns erstmals vorstellen, dass sich dieses Projekt tatsächlich realisieren lässt.

Wann sind Sie denn zum ersten Mal bei der Formula Student an den Start gegangen?

2002 haben wir erstmals als Braunschweiger Team an der Formula Student in England teilgenommen. Natürlich hatten wir damals keine Chancen auf den Sieg, allerdings haben wir tolle Erfahrungen sammeln können und uns bereits im Jahr darauf stark verbessert.

Gab es zu diesem Zeitpunkt einen konkreten Zeitplan, wann Sie wettbewerbsfähig sein wollten? 

Nein. Erfahrungsgemäß ist es im ersten und im zweiten Jahr sehr schwierig eine Topplatzierung zu erreichen. Die Zielsetzung für die erste Teilnahme bestand darin, die obere Hälfte des unteren Drittels zu erreichen. Das ist uns gelungen. Nach der ersten Teilnahme ist vieles einfacher geworden.

Das zweite Auto war wesentlich besser, als das erste. Sicher traten andere Teams schon mit dieser Zielsetzung an. Es ist nicht einfach über die Jahre die Qualität zu halten, weil sich die Teams natürlich ständig erneuern. Ein großer Erfolgsfaktor ist daher ein gutes Wissensmanagement. Wirklich gute Teams betreiben aktives Wissensmanagement. Sie haben Datenbanken und Server eingerichtet und viele andere Maßnahmen ergriffen. Das ist durchaus bemerkenswert. Das ein oder andere Unternehmen könnte sich von diesen Teams noch etwas abschauen.

Bei einem solchen Projekt stößt man doch sicherlich immer wieder an seine Grenzen? 

Das stimmt. Beinahe jeder Schritt war zunächst einmal ein Problem. Im Grunde genommen hatten wir nie den Punkt erreicht wo wir gesagt haben: Jetzt haben wir alles zusammen – jetzt kann es losgehen. Stattdessen haben wir einfach angefangen und es immer wieder geschafft jedes neue Problem zu lösen.

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