Auf ein Neues: Lernt, Leude, lernt!

Letzte Woche ging es um Service und Dienstleistung, heute erzählt Gerald Pilotto, Executive Vice President der Bilfinger Berger Industrial Services GmbH, warum es ihm schon immer wichtig war, sowohl Entscheidungen als auch Verantwortung übernehmen zu können. Wie kommt man dorthin, wo er heute ist? Und was ist seine Meinung zum aktuellen Führungs-kräftemangel. Warum heißt Bilfinger Berger bald nur noch Bilfinger? Franziska Wille hat mit ihm über all das gesprochen und auch gefragt, was in Zukunft für unsere Generation wichtig ist. Pilotto sagt zum Beispiel, dass „das Beherrschen des Handwerks“ noch immer eine große Rolle spielt. Ihr seht: unser Motto „Non scholae, sed vitae discimus“ bleibt aktuell!

Franziska Wille unterhielt sich …
… mit Gerald Pilotto, Executive Vice President der Bilfinger Berger Industrial Services GmbH

Herr Pilotto, verraten Sie uns, wie Sie zu Ihrer heutigen Position gekommen sind? Welchen Weg haben Sie eingeschlagen?

Ich habe mich beim Berufseinstieg nach dem Studium ganz bewusst für ein Aufgabengebiet entschieden, das Generalisten erfordert. Nach einer operativen Tätigkeit als Projektleiter habe ich als Standortleiter, Geschäftsfeldleiter und Geschäftsführer mehrerer Unternehmen Managementaufgaben übernommen und bin heute Executive Vice President der BIS Group.

Wichtig war mir bei der Auswahl der Positionen immer, welche Entscheidungsfreiheiten und Verantwortungsbereiche damit verbunden sind und ob es eine starke Kunden- und Mitarbeiterorientierung gibt. Die konsequente Dienstleistungsorientierung ist bei mir auch durch mein elterliches Umfeld bedingt.

Ihr Unternehmen, die Bilfinger Berger Industrial Services GmbH wandelt sich vom Baukonzern zum Dienstleistungsunternehmen – was ist dabei die größte Herausforderung?

Unser Ziel ist es, in allen Feldern, in denen wir aktiv sind, hervorragende Leistungen zu erbringen. Bauen wird eine Kernkompetenz von Bilfinger Berger bleiben, da stehen wir zu unserer Tradition. Daneben werden wir unser Servicegeschäft weiter ausbauen. Bilfinger Berger ist schon heute ein international tätiges Engineering- und Dienstleistungs-unternehmen, das in seinen Märkten eine führende Position einnimmt.

Die Tätigkeit des Konzerns umfasst die Geschäftsfelder Industrial Services, Power Services, Building and Facility Services, Construction und Concessions. Ein Großteil der Konzernleistung wird mit dem Dienstleistungsgeschäft erwirtschaftet. Im Geschäftsjahr 2011 trug der Teilkonzern Industrial Services beispielsweise 39 Prozent zum Gesamtumsatz von Bilfinger Berger bei.

Warum ist es attraktiv, als Dienstleistungsunternehmen wahrgenommen zu werden?

Wir wollen nach innen und nach außen ganz klar vermitteln, wofür das Unternehmen steht. Wenn ein Großteil des Konzernumsatzes mit Dienstleistungen erwirtschaftet wird, möchten wir, dass wir auch als Dienstleistungsunternehmen wahrgenommen werden. Um die Veränderung hin zum Dienstleistungskonzern äußerlich sichtbar zu machen, wird Bilfinger Berger ab Ende September mit dem verkürzten Namen „Bilfinger“ auftreten.

Die operativen Gesellschaften werden diesen Namen zusammen mit ihren bisherigen Firmennamen zukünftig ebenfalls tragen, und so wird auf einen Blick erkennbar sein, welche Unternehmen zu Bilfinger gehören und wie groß und vielfältig der Konzern ist.

Ihre Meinung zum aktuellen Führungskräftemangel in Deutschland?

Genügend qualifiziertes Personal, insbesondere im technischen Management, zu finden, wird zukünftig eine der größten Herausforderung sein. Die Bedingungen werden sich vollständig wandeln, nicht der Arbeitgeber wird sich den Mitarbeiter aussuchen, sondern es wird umgekehrt sein: Die Mitarbeiter werden sich aussuchen, bei wem sie arbeiten möchten.

Die Arbeitgeber werden sich dann wesentlich stärker als bisher darauf ausrichten müssen, den Ansprüchen und Erwartungen der Mitarbeiter gerecht zu werden. Auf der einen Seite werden sie den Mitarbeitern ein auf die persönliche Lebenssituation ausgerichtetes Arbeitsumfeld und Entwicklungsmöglichkeiten bieten müssen. Auf der anderen Seite wird es unverzichtbar sein, das Thema Work-Life-Balance mit all seinen Facetten im Unternehmen fest zu verankern und sicherzustellen, dass es auch gelebt wird.

Was empfehlen Sie der nächsten Generation? Was ist heute in puncto Bildung wichtig? Welchen Tipp haben Sie aus der Perspektive des Arbeitgebers?

Eine gute Grundausbildung ist das A und O einer interessanten beruflichen Tätigkeit. Darüber hinaus sind soziale Kompetenzen gefragt sowie Auslandsaufenthalte.

Wichtig für den Berufseinstieg nach der Ausbildung oder dem Studium ist, dass die erste Arbeitsstelle entsprechend den persönlichen Fähigkeiten und Neigungen ausgewählt wird. Dabei sollte auch in Kauf genommen werden, dass persönliche Interessen vielleicht zunächst einmal zurückstehen müssen. Entscheidend im beruflichen Alltag ist es, für neue Themen wie auch benachbarte Arbeitsgebiete offen zu sein, stetiges Lernen zu akzeptieren und die persönlichen Kompetenzen und Fähigkeiten weiterzuentwickeln.

Was die eigenen Zielvorstellungen angeht, halte ich es für sinnvoll, für drei bis maximal fünf Jahre zu planen und dabei private und berufliche Ziele zu berücksichtigen. Bei all dem gilt es aber immer, authentisch zu bleiben.

Als Tipp möchte ich der jungen Generation mitgeben, dass auf Arbeitnehmerseite eine ausgeprägte soziale Kompetenz ein ganz entscheidendes Kriterium ist. Außerdem möchten wir Mitarbeiter, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, selbständig zu arbeiten und unternehmerisch zu denken. Darüber hinaus sind Bereitschaft zur Mobilität, Fremdsprachen und Offenheit für neue Kulturen Grundvoraussetzungen, um in der heutigen globalisierten Wirtschaft Erfolg zu haben.

Fundament all dieser Kompetenzen muss sein, dass der Mitarbeiter sein „Handwerk“ beherrscht.

Das Interview führte Franziska Wille

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