Auf der Suche nach der Wahrheit

Eine vermeintliche Mörderin, die ihre Unschuld beteuert. Ein ganzer Haufen potenzieller Verdächtiger, der die Ermittlungen erschwert und mittendrin die unkonventionelle Ermittlerin Vera Stanhope. Krimifans dürfen sich freuen.

In Ann Cleeves „Das letzte Wort“ ermittelt, wie bereits der Untertitel verrät, Kommissarin Vera Stanhope. Dies ist bereits der 4. Band der Reihe. Mir sind die drei Vorgänger leider nicht bekannt. Zu Beginn des Buches steigt der Leser direkt in die Handlung ein: Joanna, die Nachbarin von Vera, wird vermisst. Das erzählt ihr deren Mann Jack. Wobei, eigentlich ist sie eher „nicht da“ -und hat auch einen Zettel mit der Nachricht hinterlassen, dass sie ein paar Tage weg ist und Platz für sich braucht. Jack soll sich keine Sorgen machen. Doch da solche Zettel gewöhnlich als Auslöser dafür dienen, sich Sorgen zu machen, bittet Jack Vera, Joanna zu finden um festzustellen, ob es ihr gut geht. Denn die lebenslustige, immer gut gelaunte Joanna hat jahrelang Psychopharmaka genommen – und diese vor ein paar Tagen abgesetzt.

Von der Neugier gepackt
 
Obwohl  man Veras Unwillen spürt, sich in die Probleme von anderen Leuten hineinziehen zu lassen, kommt sie nicht dagegen an. Von der Neugier gepackt fragt sie sich, was sie noch alles nicht über ihre Nachbarin weiß, die sie eigentlich mag. Die Kommissarin kostet es nur einen Anruf, um herauszufinden, wo Joanna sich aufhält. Als sie dort ankommt, wird die Polizei vor Ort schon sehnlichst erwartet – denn ein Mord ist geschehen. Joanna scheint ohne Zweifel die Mörderin zu sein. Vera glaubt jedoch nicht daran, sich so in der Frau geirrt zu haben und übernimmt den Fall.

Keine Atempause
 
Der Schauplatz fast des ganzen Buches ist das Writers House, ein Platz an dem aufstrebende Autoren Workshops belegen können, um von den hochangesehenen Dozenten und Verlegern entdeckt zu werden. Vera und ihr Team mischen sich dort unter die anderen Kursteilnehmer und versuchen, alle Anwesenden besser kennenzulernen. Gerade dann, wenn das Buch beginnt etwas langatmig zu werden, wird man von dem nächsten Mord überrascht – zunächst bringt das den Leser aber nicht wirklich weiter. Stattdessen verliert man etwas den Faden. Und so geht es auch den Ermittlern, die verzweifelt nach einem Zusammenhang suchen.

Besondere Dynamik

Veras Gegenpart in der Geschichte ist ihr Kollege Joe. Sie, die alleinstehende, schrullig-brummige Vorgesetzte. Er, der Familienvater, der immer streng auf den Ablauf nach Vorschrift bedacht ist. Es gelingt Ann Cleeves die Figur der Vera sehr sympathisch zu zeichnen. Ihre Art und ihr Verhalten wird nach und nach mit Geschehnissen aus ihrer Vergangenheit erklärt, die der Leser in kleinen Häppchen erfährt. Sie ist loyal den Menschen gegenüber, die ihr etwas bedeuten – auch wenn das vielleicht nicht allzu viele sind. Zudem mag ich persönlich ihre ehrliche Art sehr gerne. Schön sind die Momente, in denen Joe und sie sich reiben – sie weist ihn zwar zurecht, freut sich aber insgeheim wie ein kleines Mädchen, dass er rebelliert hat.

Charaktere mit Tiefgang

Im Verlauf der Geschichte entwickeln auch die anderen Figuren im Buch interessante neue Einstellungen zu den Verdächtigen. Die einzelnen Kapitel werden aus unterschiedlichen Perspektiven dargestellt. Das ist sehr spannend. So erfährt man mehr über bestimmte Charaktere und ihre Ansichten. Der Leser kann so in einige der wichtigsten Figuren eintauchen, ohne dass die Geschichte davon aufgehalten wird.

Fazit: Der Roman liest sich gut und ist auch für zartere Seelen und zur Lektüre im Bett geeignet, da es nicht zu blutig oder nervenaufreibend zugeht. Echte Krimifans dürften aber bedauern, dass sie praktisch keine Chance haben, sich an der Mördersuche zu beteiligen. Im Finale klärt sich zwar alles auf. Da dem Leser aber viele der Informationen bis zum Schluss vorenthalten werden, sind die Geschehnisse kaum vorherzusehen. (bei einem Film würde ich sagen: „Die Kamera schwenkt ab.“). Daher ist das Ende zwar für die Logik befriedigend, aber so ein bisschen mitraten hätte man schon auch wollen …

Stefanie Janke, (Academicworld-Userin)

Ann Cleeves.Das letzte Wort
9,99 Euro. rororo

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