Armes reiches Mädchen

Ein bislang unverfilmtes Drehbuch von Tennessee Williams, eine Hollywood-gespickte Besetzung – das verspricht doch einiges. Ob „Das Mädchen mit dem Diamantohrring“ das auch einlöst? Mehr dazu hier. Oder selber gucken. Den 2007er Film gibt es nämlich jetzt auch in Deutschland auf DVD.

Armes reiches Mädchen
Zwischen Party und rauem Alltag ist Jimmy sich nicht ganz sicher was Fisher von ihm will. © Polyband/WVG

Südstaatenherrlichkeit

In den 1920ern scheint die Welt in Memphis, Tennessee noch in Ordnung. Die Werte sind konservativ, die Welt geordnet. Fisher Willow (Bryce Dallas Howard), rebellische Erbin zweier großer Vermögen sorgt hier für reichlich Wirbel. Ihre Erziehung in Europa scheint sie fast ebenso von der Gesellschaftsschicht der sie entstammt zu trennen, wie die Taten ihres Vaters. Kurz um, sie wird von weiten Teilen der feinen Gesellschaft gemieden – und das mitten in der Ballsaison. Eine couragierte junge Frau wie Fisher lässt sich das natürlich nicht gefallen. Kurzerhand verpasst sie dem Sohn eines verarmten Nachbarn, Jimmy (Chris Evans) – trotzdem immerhin Enkel des ehemaligen Gouverneurs – einen Satz Abendgarderobe und schleppt ihn zu verschiedenen Anlässen mit.

Obwohl sie eigentlich aus tiefstem Herzen in Jimmy verliebt ist, gelingt es der sprunghaften Fisher nicht ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen. So kann sie auch nicht verhindern, dass Jimmy, der sie für ein äußerst leichtlebiges gedankenloses Ding hält, sich mit seiner Jugendliebe Vinnie einlässt. Doch das sind nur die Dramen an der Oberfläche und was genau der verlorene Diamantohrring von Fishers Tante zu tun hat würde den Rahmen hier sprengen. Und bei allem Drama kommt natürlich auch die volle Südstaatenpracht nicht zu kurz.

Armes reiches Mädchen

Die deutsche Titelanleihe beim Film „Das Mädchen mit dem Perlohrring“ – mit Colin Firth und Scarlett Johansson – erscheint etwas unglücklich. Vielleicht hätte man näher am Original „The Loss of a Teardrop Diamond“ bleiben sollen. Zumal dieser so viel mehr impliziert, als nur die Geschichte vom armen reichen Mädchen.  Sei’s drum. Die Geschichte ist sicher nicht Williams‘ allergrößter Wurf, weiß aber in der Verfilmung von Jodie Markell durchaus zu überzeugen. Was sich an Drama in diesen Gesichtern abspielt packt Markell in eine an sich ruhige Erzählweise. Manchmal wirkt das Ganze wie ein direkter Blick in eine Bühnenversion. Eine vielsagende Geschichte von Verlust und Hoffnung – sowohl der materiellen als auch der immateriellen Werte. Was zunächst wie die Geschichte eines verwöhnten, reichen Mädchens erscheint ist im Grunde ein brodelndes Sittengemälde und ein gut gespieltes noch dazu.

Gisela Stummer (academicworld.net)

Das Mädchen mit dem Diamantohrring

Regie: Jodie Markell
Darsteller: Chris Evans, Bryce Dallas Howard, Ellen Burstyn

Im Vertrieb von Polyband/WVG

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