Ans Bett gefesselt

Der Killer in Steve Mosbys Roman „Tote Stimmen“ ist ein besonders perfider Kerl. Er will sich anscheinend nicht so recht die Hände schmutzig machen und lässt quasi die Zeit seine Opfer erledigen.

Rezension "Tote Stimmen"

SMS vom Killer

In einer britischen Großstadt treibt ein perfider Killer sein Unwesen. Er entführt junge Frauen, fesselt sie an ihr Bett und schickt deren Familien und Freunden E-Mails und SMS, mit denen er sie in den Glauben wiegt, alles sei in bester Ordnung. Erst kurz bevor die Opfer schließlich verdursten, kommen Anrufe, in denen eine computersimulierte Stimme „Hilf mir, hilf mir!“ fleht. Doch dann ist es schon zu spät. Als die junge Tori verschwindet und ihr Freund nachts merkwürdige SMS-Botschaften erhält, beginnt für Detective Sam Currie ein Wettlauf gegen die Zeit … 

Der Mörder hinterlässt kein blutiges Gemetzel. Er legt nur ein einziges Mal Hand an seine Opfer, nämlich um sie ans Bett zu fesseln. Den Rest erledigt die Zeit für ihn, denn nach und nach versagen die Organe und irgendwann ist das Opfer entweder verhungert oder verdurstet. Als der junge Journalist Dave seine Freundin Tori vermisst und nicht erreichen kann, erhält auch er eine SMS von ihr, mit der Versicherung, dass es ihr gut gehe. Doch Dave spürt, dass etwas nicht in Ordnung ist, weil Tori nicht wie gewöhnlich mit Torxx unterzeichnet. Kurz darauf setzt sich der Mörder mit ihm in Verbindung, mit einer ausdrücklichen Warnung vor dem Einschalten der Polizei. Doch diese hat sich längst an Daves Fersen geheftet, weil er selbst der Verdächtige ist. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Mehr möchte  ich über die Handlung nicht verraten denn der Thriller ist sehr simpel gehalten und ich würde zuviel Spannung vorweg nehmen.

Protagonisten mit Ecken und Kanten

Der Schreibstil ist einfach gehalten, die wechselnden Erzählperspektiven haben zur Spannung beigetragen. Durch die wechselnden Perspektiven aus der von Zauberkünstler  Dave  Lewis und Detective Sam Currie, der mit seinen Kollegen schon seit über einem Jahr versucht den Täter zu fassen, nimmt der Roman schnell an Spannung zu. Im Gegensatz zu Sam Currie weiß der Leser, dass Dave nicht der Täter sein kann. Aber wer es letztendlich ist, dürfte auch jedem Leser bis zur Auflösung einiges an Kopfzerbrechen bereiten. Steve Mosby verwendet viel Zeit auf die Beschreibungen seiner Figuren und somit rücken die Taten etwas in den Hintergrund – was der Spannung keinen Abbruch tut. Der Roman tendiert aber schon eher in Richtung Psychothriller.  

Man erfährt näheres über Dave Lewis und seine Freundinnen, Zaubertricks und Illusionen und auch über die Depressionen von Tori einer besonders guten Freundin von ihm, die manisch-depressiv war. Auch über das Leben von Sam Currie, dem Kriminalbeamten der seinen Sohn durch Drogensucht verlor und damit nicht klar kommt, werden wir gut unterrichtet. Die Protagonisten in diesem Roman habe alle ihre Ecken und Kanten und unter der Oberfläche ist ihre Welt nicht so glanzvoll wie es auf den ersten Blick scheint.

Gut gefiel mir in diesem Thriller das mal nicht der Kriminalbeamte oder der Mörder die Hauptrollen spielen. Denn in diesem Roman wird nicht aus der Sicht des Mörders erzählt. Und in den meisten Thrillern spielt der schrullige Kommisar die Hauptrolle, auch dieses Klischee wird hier ausgespart. Der Klappentext des Buches war ausschlaggebend, dass ich dieses Buch lesen wollte und der kurze Text hielt was er versprach. Das Einzige was mich doch irgendwie störte war, dass in dem Buch irgendwie alle etwas miteinander zu tun haben. Das wirkte für mich recht gekünstelt und auch etwas übertrieben. Auch das soviele Protagonisten so ausführlich beschrieben worden sind störte mich, ich wurde überflutet mit Details aus dem Leben der Leute. Manchmal ist weniger mehr. Außerdem war die Auflösung zu konstruiert und kompliziert und wirkte etwas unglaubwürdig.

Fazit:

Auch wenn mich das Ende nicht vollkommen überzeugt hat und ich auch sonst ein paar Kritikpunkte habe, so war das Buch an sich recht spannend und trotzdem zu empfehlen. Ein guter Thriller, der leicht und schnell zu lesen war. Ich vergebe dem Buch gut gemeinte 4 von 5 Sternen. 

Stefanie Gauer (academicworld.net-Userin)

Steve Mosby. Tote Stimmen
9,99 Euro. Knaur

P.S.: Wenn ihr mehr von Steve Mosby erfahren wollt schnappt euch die nächste unicompact START, dort gibt es ein Interview mit ihm. Natürlich auch als E-Paper auf academicworld.net

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