Anonymus – Das Buch ohne Namen

In Santa Mondega, dem wirklich letzten Ort an dem man sein möchte, tummelt sich eine Reihe fieser Gestalten. Einer schlimmer wie der andere. Doch der Übelste von ihnen ist ein Mann der aus Vorliebe für ein spezielles Getränk Bourbon Kid genannt wird. Und wenn dieser besagtes Getränk zu sich nimmt, dann tötet der Bourbon Kid alles und jeden, der ihm im Weg steht. Das Buch ohne Namen erinnert an Filme von Terentino und Guy Ritchie – manchmal ein wenig zu sehr.

Eines Tages erscheint in Santa Mondega, in der Bar von Sanchez, ein großer, hagerer Mann mit Kapuze. Der Fremde bestellt einen Bourbon und erledigt mal eben die gesamte Kundschaft der Bar – mit Ausnahme von Sanchez. Dieser wird aus nicht ersichtlichen Gründen vom Bourbon Kid verschont. Doch wie es heißt, hinterlässt der Bourbon Kid, nach der Einnahme seines geliebten Getränks, immer eine Spur der Verwüstung und des Todes – mit Ausnahme der Barbesitzer. Besagter Sanchez im Glück stolpert zudem nach dem Massaker auch noch über eine Verletzte, die wie durch ein Wunder, von mehr als hundert Kugeln aus der Pistole des Bourbon Kid durchlöchert, ihren Verletzungen dennoch nicht erliegt. Sanchez bringt die ins Koma Gefallene Schönheit in Sicherheit.

Typen und Stereotypen

Fünf Jahre später. Wieder steht eine Mondfinsternis an. Und alles fürchtet sich vor der erneuten Ankunft des Bourbon Kid. Dabei kommen noch ganz andere Gestalten in den ominösen Ort. Da sind zum einen die Mönche Kyle und Peto, die, in Vertrauen auf ihre Kung Fu-Künste, einen sagenumwobenen Mondstein wieder zurück in ihren Besitz bringen wollen. Die Detectives Miles Jensen und Archibald Somers machen sich währenddessen daran, einige ungeklärte Morde aufzuklären.

Zudem sind da noch die Auftragskiller Jefe und der King höchstpersönlich, der lokale Gangsterboss El Santino, der Hotelangestellte Dante und seine Freundin Kacy sowie ein Tier von einem Mann. Und natürlich der Bourbon Kid und Sanchez. Auch die vom Barmann Gerettete wird eine Rolle im actiongeladenen Showdown in der Tapioca-Bar spielen. Und auch ein von einem anonymen Autor verfasstes Buch ohne Name soll eine Rolle im Gefüge spielen.

Internet-Bestseller

Das Buch ohne Namen erschien in Großbritannien – so will es zumindest die Legende – im Selbstverlag und machte dann über das Internet, insbesondere über amazon, Furore und wurde zu einer Art „Kultroman des Internets“, weil es zum ersten Mal die Bedeutung von Rezensenten auf Online-Buchportale auf die Verkaufswirksamkeit von Literatur und die Multiplikationsfähigkeit des Internet berücksichtigte und sich daraus der Erfolg des Buches ohne Namen ableitete. Der Klappentext des Buches wirbt dann auch mit den Rezensionen von amazon-Usern.

Wenn all das stimmt, so mag man dem Autor zumindest Geschäftssinn und Fündigkeit attestieren. Denn das Buch selbst hält nicht was es verspricht. Natürlich versucht der Autor seine Charaktere zu überzeichnen, etwa die vor Muskeln platzende Kampfmaschine oder den dunklen, wortkargen Bourbon Kid. Dabei verleiht er aber nicht einer einzigen Gestalt wenigstens ein Mindestmaß an Tiefgang, was sehr schnell anstrengt. Manche Situationen sind aufgrund dieser Überzeichnung komisch, meistens nerven sie jedoch nur.

Billige Kopie vs. Originalität

Der Autor nimmt Charaktere und Ideen aus Filmen von Tarantino und Ritchie (von dem er teilweise zitatgetreu Szenen aus seinen Filmen wiedergibt), wobei er aber nicht in der Lage ist, Intensität und/oder Komik dieser Vorbilder zu erzeugen. Zum Schluss wird das Buch zumindest ein wenig spannend, so dass man zumindest bis zum wirklich äußerst diffusen und auch sehr schnellen Ende durchhält.

Nachdem sich Menschen in Vampire verwandeln und Mönche übernatürliche Kinder zeugen, ist es dann aber auch wirklich gut. Und das Buch ohne Namen? Sollte zumindest laut Titel eine bedeutende Stellung im Buch einnehmen. Nun ja, es wird am Rande erwähnt. Nach der Lektüre zweifelt man daran, dass Tarantino oder Guy Ritchie dieses Buch geschrieben haben könnten, wohl eher ein Fan der beiden. Wenn man nichts besseres vorhat, auf Vampirfilme à la Tarantino steht und von einem Buch pure Unterhaltung ohne Tiefgang erwartet, für den könnte Das Buch ohne Namen dennoch ein passender Zeitvertreib sein. Ohne Bedenken empfehlen sollte man es allerdings nicht.

fj

Anonymus

Das Buch ohne Namen
447 Seiten
16,95 Euro

Lübbe

Stand Oktober 2009

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