“Fachwissen allein reicht nicht aus”

Vorbereitung während des Studiums

Trotz der von Unternehmensleitungen ständig beklagten Defizite werden dem Führungsnachwuchs seitens der Hochschulen keine oder nur unzureichende Starthilfen mitgegeben. Führungsfähigkeiten werden daher immer noch vorwiegend durch Versuch und Irrtum erworben – mit den damit zwangsläufig einhergehenden persönlichen Misserfolgserlebnissen und manchen irreparablen sozialen Schäden in Unternehmen.

Daher ist jeder Student, der Führungspositionen anstrebt, gut beraten, sich beizeiten eigeninitiativ das notwendige führungspsychologische Grundwissen anzueignen. Wenn eine Hochschule erfreulicherweise entsprechende Veranstaltungen anbietet, sollte man sie ausgiebig nutzen. Auch wenn sie nur als Wahlfächer ausgewiesen sind, ist es wichtig, diese zu besuchen. Dazu gehören auch Themen, die nicht speziell auf Führung zugeschnitten, aber dennoch verhaltensorientiert und persönlichkeitsfördernd sind, wie beispielsweise Sozialpsychologie, Rhetorik oder Konfliktmanagement.  Für die spätere Berufskarriere können derartige Lerninhalte erheblich nützlicher sein, als manches fachliche Spezialwissen.

Bietet die eigene Hochschule keine relevanten Bildungsmöglichkeiten, sollte man auf die Programme der einschlägigen Weiterbildungsveranstalter zurückgreifen. Es existieren im Internet zahlreiche Weiterbildungsdatenbanken, in denen man geeignete Maßnahmen finden kann. Allerdings sind gute kommerzielle Veranstaltungen ziemlich kostspielig. Aber auch manche Nonprofit- Organisationen wie Gewerkschaften, Berufsverbände, Industrie- und Handelskammern und selbst manche Volkshochschulen bieten heute Führungsseminare zu erschwinglichen Preisen an. Auch wenn ein Buch das eigene Erleben von Diskussionen und Verhaltensbeispielen in einem Seminar nicht ersetzen kann, ist selbstverständlich auch das Lesen von Fachliteratur ein empfehlenswerter Weg, sich Grundlagenwissen und ein realistisches Führungsverständnis anzueignen. Ebenso wäre die Teilnahme an Fernlehrgängen oder E-Learning-Kursen zu erwähnen.

Weiterbildung in Unternehmen

Selbstverständlich sind auch die Unternehmen aufgefordert, nicht nur das Führungsdilemma zu beklagen, sondern durch interne oder externe Weiterbildungsmaßnahmen zur Führungskräfteentwicklung beizutragen.

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen immer wieder, dass deutsche Unternehmen hinsichtlich der Führungskultur im europäischen Vergleich nur im Mittelfeld rangieren. Mit erheblichen Auswirkungen auf das Mitarbeiterengagement und damit den Unternehmensprofit. Dieser Mangel spiegelt sich in den finanziellen Aufwendungen für die Weiterbildung im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt wider: Auch bei derartigen internationalen Vergleichen nimmt Deutschland nur einen der unteren Ränge ein. Selbst in manchen großen Unternehmen wird die Weiterbildungsabteilung nur als lästiger Kostenträger angesehen und entsprechend wenig unterstützt.

Möglichkeiten zur Förderung des Führungsnachwuchses durch die Unternehmen sind zum Beispiel Praktikumsplätze sowie berufspraktische Kooperationen mit Hochschulen. Hier gäbe es für Unternehmen allerdings noch einiges zu entwickeln.


Dipl.-Ing. Hartmut Laufer hat Maschinenbau und Wirtschaftswissenschaften studiert und war als Ingenieur in vielfältigen Führungspositionen bei Wirtschaftsunternehmen und Verwaltungen tätig. Seit 1990 leitet er das MENSOR Institut für Managemententwicklung in Berlin und ist als Führungskräftetrainer tätig. Daneben ist er Bestsellerautor diverser Managementbücher, darunter “Grundlagen erfolgreicher Mitarbeiterführung” (erschienen 2010 im GABAL-Verlag).

 


Stand: Frühjahr 2013

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