„Am Rande der Legalität und an der Grenze zum Landstreichertum“

So beschreibt der Kultautor der Beatgeneration Jack Kerouac den Roadtrip seiner Protagonisten in seinem autobiografischen Werk „On the Road“, das jahrzehntelang als unverfilmbar galt. Nun hat Regisseur Walter Salles mit dem gleichnamigen Film eine atemberaubende Adaption geschaffen, die uns mitnimmt auf eine verrückte, sinnliche und berauschende Reise quer durch die USA.

Sal, Marylou und Dean unterwegs gen Westen

Ein alter (geklauter) Hudson, ein New Yorker Schriftsteller, dem nach dem Tod seines Vaters eine Schreibblockade zu schaffen macht und ein lebenshungriger Frauenheld, der immer auf der Suche nach etwas Großem ist. Das sind die Grundvoraussetzungen für einen transkontinentalen Roadtrip, von dem es so viel zu berichten gibt, dass es schwer fällt, es in ein paar Sätze zu packen.

Sal Paradise (Sam Riley) und Carlo Marx (Tom Sturridge) verkehren eher in den intellektuellen Literatenkreisen New Yorks, bis sie eines Tages auf Dean Moriarty (Garrett Hedlund) treffen. Beziehungsweise ihn bei einem Techtelmechtel mit seiner 16-jährigen Frau Marylou (Kristen Stewart) stören, die sich der Gruppe anschließt.

Sex, Drugs ´n´Jazz

Dean ist es, der Sal aus seiner Lethargie reißt und ihn mitnimmt auf eine wilde Reise quer durch die Staaten. Nach einigen wilden Nächten in Denver geht es weiter nach San Francisco, New Orleans und New Mexico. Die Reise ist geprägt von freier Liebe, Drogenexzessen und Jazz. Während der feinfühlige Sal beginnt, den Trip als Story für sein Buch wahrzunehmen und immerzu alles in sein Notitzbuch zu schreiben, ist Dean hin- und hergerissen zwischen seinen zwei großen Lieben Marylou und Camille (Kirsten Dunst), einer Studentin, die bald schon ein Kind von ihm erwartet. Sie übernachten bei Freunden, in billigen Hotels oder auch mal bei Drogenpapst Old Bull Lee (Viggo Mortensen) und seiner Frau Jane (Amy Adams). Immer angetrieben durch den Drang nach Freiheit im konventionellen Amerika entwickelt sich ein einzigartiges Zeugnis der Anfänge der Beat-Generation vor der spektakulären Kulisse der unberührten Weitern der USA (und auch in ebenso verrauchten wie verruchten Kellerclubs).

Endlich hat Sal ein Thema für sein Buch gefunden

Der Moment vor dem Knall

„On the Road” war der literarische Meilenstein der Beat-Generation der 50er Jahre, ein Roman, der so viele Gefühle einfängt und aus dem man das Brodeln in der Gesellschaft dieser Zeit herauslesen konnte. All die Erlebnisse – ob sie der Wahrheit entsprachen oder der Fantasie Jack Kerouacs entsprangen sei dahingestellt – in einem Film darzustellen, war sicherlich keine leichte Aufgabe für Regisseur Walter Salles und seine Crew.
Doch herausgekommen ist ein bewegender, lustiger, dramatischer, sensibler, lebensfroher und irgendwie exzessiver Film über nichts anderes als das Leben.

Es ist auch ein Film, über den man noch lange nach dem man den Kinosaal verlassen hat, nachdenkt und nach dem man irgendwie große Lust hat, selbst mal wieder dieses Freiheitsgefühl auszukosten und irgendwas Verrücktes zu tun.
Grund an dieser persönlichen Anteilnahme am Geschehen von „On the Road“ ist also einerseits die fantastische Story, bei der der Höhepunkt irgendwie kein Ende nimmt, andererseits kommt es einem bei der herausragenden Besetzung der Charaktere so vor, als würde man sie kennen, Sal, Dean, Marylou und Co., als würde man selbst mit im alten Hudson sitzen und bei dieser Suche nach dem Unbekannten dabei sein.

Es wird wild gefeiert in den Jazz-Clubs der Staaten

Acht Jahre hat es gebraucht, aus der Idee den Film zu machen. Und man wagt zu behaupten, dass man es ihm ansieht. Für jedes Detail, jede Charaktereigenschaft und jeden Ort wurde lange recherchiert, bis die Schauspieler sich perfekt mit ihrer Rolle identifiziert hatten. Dazu ist anzumerken, dass es die Personen im Film, obgleich unter einem anderen Namen,  alle gegeben hat.
Wie schon gesagt, man könnte sich ewig über den Film auslassen. Schaut ihn euch lieber selbst an, denn er ist jedem wärmstens empfohlen, der mal wieder Lust hat sich im Kino vom Leben und der Freiheit berauschen zu lassen – und allen anderen auch.

Franziska Püschel (academicworld.net)

Unterwegs- On the Road

Regie: Walter Salles

Darsteller: Garrett Hedlund, Sam Riley, Kristen Stewart, Kirsten Dunst, Viggo Mortensen, Amy Adams und Tom Sturridge


Stand September 2012

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