Achtung! Menschen haften für ihre Hirne!

Darum fordert Christiane Stenger ganz zu Recht: Lassen Sie Ihr Hirn Nicht Unbeaufsichtigt! Larissa Marolt hat viel mehr verstanden als sie wusste, als sie sagte: „I hab mi selbst noch nicht an mich gewöhnt“ Was ändert sich da oben die ganze Zeit? Warum sehen wir uns manchmal von außen bei unsern eigenen Dummheiten zu? Wieso geben wir uns unserem Kopfkino hin, obwohl wir grade was Dringendes zu tun hätten? Wir können noch viel lernen über uns selbst – und unser Gehirn.

Achtung! Menschen haften für ihre Hirne!
©Nils Schwarz

Christiane Stenger ist die Ausnahme-Nerdin schlechthin: Sie hat drei Klassen übersprungen, mit 16 ihr Abi gemacht und sehr jung angefangen zu studieren. Außerdem hat sie das außergewöhnliche Hobby Gedächtnistrainig, wo sie mehrfach Weltmeister geworden ist und trägt die obligatorische Nerd-Brille. Das alles ist nichts Neues, mit dem Image spielen inzwischen viele erfolgreich – umso schöner, wenn das ganze Substanz hat. Denn Stengers Streber-Gehabe ist zwar medienwirksam, aber auch echt. Tatsächlich ist sie fasziniert von unserem Gehirn und seinen zahlreichen Funktionen und genau das macht das Buch lesenswert. Denn auch wenn ihre Vergleiche und Bilder teilweise hinken und vielleicht etwas unbeholfen wirken, macht das die komplexen Beschreibungen der Hirntätigkeiten sympathisch, denn wenn unser Denkzentrum so einfach zu erklären wäre, gäbe es schon längst eine vielgelesene Variante für Kinder. Oft ist es nun mal nicht so einfach und dann kommt selbst eine erfahrene Autorin und Rednerin wie Christiane Stenger ins Schleudern.

Happy Hippocampus

Ganz nett sind die Merkhilfen, die sie ins Buch mit eingebaut hat, in Form von verbalen oder gezeichneten Visualisierungsvorschlägen für Fachtermini. Auch hier sind manche gelungener als andere, aber insgesamt sind sie eher nützlich und zeigen sehr gut den nachhaltigen Effekt: das erste Bild des auf einem Stapel Bücher sitzenden Nilpferd wird man nun für immer vor dem geistigen Auge  sehen, wenn das Wort „Hippocampus“ fällt. Überhaupt erfährt man viel über die Macht der Visualisierung, sei es, um sich einfache Dinge zu merken, wie etwa Einkaufslisten oder auch um komplexere Zusammenhänge nachvollziehbar zu machen, wie das Filtern der Informationen, die das Gehirn vor nimmt – wie der Regisseur und der Cutter, die entscheiden was für den Zuschauer relevant ist.

Fazit

Klar, das Buch macht einen nicht zum Neurowissenschaftler. Aber es liefert nett aufbereitet Fakten und Übungen, gibt Anreize zum Selberdenken und man lernt einiges, was man vorher nicht wusste. Auch Strategien zur Bewältigung des natürlichen Prokrastianationsdranges und zur effektiveren Organisation der eigenen Arbeitsweise werden geboten. Auch wenn sprachlich nicht immer alles perfekt sitzt (ist ja auch kein Roman) ist es ein empfehlenswertes Sachbuch, das einen definitiv schlauer macht und hilft, mal ein Auge auf sich selbst zu werfen.

Miri Köbner (academicworld.net)


Achtung! Menschen haften für ihre Hirne!

Christiane Stenger: Lassen Sie Ihr Hirn nicht unbeaufsichtigt! Gebrauchsanweisung für Ihren Kopf.

17,99 Euro, Campus Verlag

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