520 Jahre Faszination

Eines der wunderbarsten und wunderlichsten Werke des Spätmittelalters ist mit Sicherheit die Weltchronik des Hartmann Schedel aus dem Jahr 1493. Der Taschen Verlage bringt die kolorierte Gesamtausgabe nun zum Schnäppchenpreis von ca. 40 Euro heraus.

520 Jahre Faszination
Ein Blick ins Buch. © TASCHEN Verlag

Blick auf die Welt von gestern 

Wir schreiben das Jahr 1493. Hartmann Schedel veröffentlicht seine  mehr als umfangreiche Weltchronik. Ob er wohl geglaubte hätte, dass die Menschen auch mehr als 500 Jahre später noch immer mit großen staunenden Augen durch ihre Seiten blättern? Der Taschen Verlag hat sein herausragendes Faksimile vom seltenen handkolorierten Exemplar der Anna Amalia Bibliothek in Weimar jetzt neu aufgelegt, weil genau das aber der Fall ist. Noch immer – oder vielleicht auch gerade durch den zeitlichen Abstand? – ruft dieses monumentale Werk Bewunderung hervor. Wenngleich das Ganze an sich in Deutsch – nicht Latein! – geschrieben ist, wird sich mancher mit der Lektüre schwer tun. Zu altertümlich die Wortwahl, zu eng die Zeilen … Aber für alle, die des Frühneuhochdeutschen nicht mächtig sind, gibt es ein umfangreiches Beiheft von Stephan Füssel. Darin: Zusammenfassungen  der wichtigsten Einträge, ein neuhochdeutsches Glossar und einiges an Information zur Entstehung der Chronik. 

520 Jahre Faszination

Wenn man bedenkt, dass sich das Werk – wie eigentlich alle mittelalterlichen Chroniken – bei Anfang und Ende an der Bibel orientiert, muss natürlich klar sein, dass vor allem die Texte und Bilder, die um die Lebenszeit des Schöpfers anzusiedeln sind, als historische Quelle bedeutend sind. Da Schedel aber selbst schon mit Quellen gearbeitet hat  – vorbildlich! – kann man diesem Zeitraum in die Vergangenheit ein wenig ausweiten. Das Bekannteste und faszinierendste dürften ohnehin die zahlreichen Stadtansichten sein. Denn auf die Beschreibung der wichtigsten Städte des Abendlandes legte Schedel ganz besonders viel Wert. Und fast jeder dürfte schon einmal einen der Holzschnitte in einem Geschichtsbuch oder ähnlichem gesehen haben. Natürlich gilt auch hier: Je näher (diesmal örtlich statt zeitlich) am Schöpfer, desto glaubwürdiger.

Gisela Stummer (academicworld.net)

Stephan Füssel (Hrsg.): Hartmann Schedel. Weltchronik – 1493. Kolorierte Gesamtausgabe
39,99 Euro. Taschen Verlag

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