50er Jahre wir kommen

Sharon Griffiths nimmt den Leser in ihrem Buch „Zeitreise für Anfänger“ mit ins London der 50er Jahre, wo Gleichberechtung noch Zukunftsmusik ist. Ein echter Kulturschock für die emanzipierte Frau von heute – wie Rosie.

Zeitreisen für Anfänger

Zeitreise in die 50er Jahre

Rosie Harford ist eine junge, emanzipierte Frau. Sie arbeitet bei der Zeitung „The News“ und führt eine Beziehung mit Will, ihrem Kollegen. Doch als Will sie fragt, was sie wirklich von der Beziehung erwartet und wie sie ihre gemeinsame Zukunft sieht, weiß Rosie nicht, was sie antworten soll. Sie ist doch mit ihren 26 Jahren noch viel zu jung, um sich an einen Mann zu binden! Außerdem hat sie noch so viel vor und möchte Karriere machen. Und überhaupt … ist der kindische Will überhaupt der Richtige für sie?

Doch das sind nicht die einzigen Probleme von Rosie, denn als sie über eine neue Fernsehserie berichten soll, fällt sie in Ohnmacht und landet in den fünziger Jahren.

Zunächst denkt sie, dass alles noch zu der Serie gehört, über die sie schreiben sollte, doch nach und nach wird klar: Sie ist wirklich in der Vergangenheit. Wie ist das möglich? Als sie dann auch noch in der Redaktion einen Mann namens Billy trifft, der zufällig genauso aussieht und sich verhält wie Will, wird ihr klar: Sie liebt Will über alles und möchte den Rest ihres Lebens mit ihm verbringen. Doch in den Fünfzigern ist Billy verheiratet und hat drei Kinder, und obwohl er sich von der selbständigen Rosie angezogen fühlt, würde er für sie nie seine Familie verlassen. Rosie ist verzweifelt und sucht nach einem Ausweg. Wie kommt sie nur zurück zu ihrem alten Leben?

Schwieriger Einstieg, danach sehr interessant

Zu Beginn hatte ich etwas Schwierigkeiten mit dem Buch, da es meiner Meinung nach ziemlich lange gedauert hat, bis die Geschichte wirklich losging. Außerdem hat Rosie die Tatsache, dass sie in den Fünzigern gelandet ist, sehr lange geleugnet und alles auf die TV-Show geschoben. Wenn ich plötzlich in die Vergangenheit reisen würde, würde ich es zunächst natürlich auch nicht glauben und versuchen, eine plausible Erklärung zu finden. Doch irgendwann waren die Beweise so überzeugend, dass man es einfach glauben musste. Doch kaum war ich in der Geschichte drin, hat sie mir eigentlich ganz gut gefallen.

Besonders interessant, fand ich natürlich die Informationen zum Leben in den fünziger Jahren. Stellen Sie sich mal ein Leben ohne Computer, Handys und Internet, ja teilweise sogar ohne richtigen Strom oder warmes Wasser vor! Für die verwöhnte Rosie ist alles neu und es fällt ihr schwer sich anzupassen. Toll herausgearbeitet war auch die Rolle der Frau zu dieser Zeit, denn damals waren die Geschlechter nicht gleichgestellt. So darf Rosie beispielsweise in einer Bar nichts bestellen, weil sie ohne männliche Begleitung da ist oder sie muss sich den aufdringlichen, lüsternen Blicken der Männer in ihrer Redaktion stellen. Was Rosie alles erlebt, empört den Leser, der das alles so nicht gewohnt ist.
Dass das Leben und Arbeiten sich wirklich so sehr von heute unterscheidet, ist unglaublich. Und man ist verwundert, wie viel sich in den letzten Jahrzehnten im technischen und gesellschaftlichen Bereich verändert hat.

Einige Kritikpunkt hätte ich noch: Rosie hat zu Beginn sehr große Zweifel an der Beziehung mit Will, doch kaum ist sie ein paar Stunden in den fünfziger Jahren wird ihr bewusst, wie sehr sie ihn liebt. Dass eine so große Unsicherheit schon nach so kurzer Zeit verschwindet, erscheint mir etwas unrealistisch. Und auch die Passagen, in denen sie sich wünscht, in Wills Armen zu liegen und mit ihm zusammen zu sein, erscheinen mir daher etwas übertrieben.

Außerdem empfand ich die Auflösung zum Ende hin als etwas gezwungen, so als ob die Autorin unbedingt zu einem Schluss kommen wollte. Trotzdem fügt sich alles gut zusammen und ergibt Sinn.

Fazit

„Zeitreisen für Anfänger“ ist ein interessanter Frauenroman, der zum Nachdenken anregt. Trotz einiger Kritikpunkte, hat mir das Buch gut gefallen und ich empfehle es besonders denen weiter, die an den 50er Jahren in England interessiert sind, da man viel über diese Zeit erfährt. Es ist keinenfalls ein Roman, den man gelesen haben muss, aber er ist auf jeden Fall unterhaltsam. Est gibt in diese Richtung sicher humorvollere Romane – ich empfand selten etwas im Buch als besonders lustig. Aber der Schreibstil ist ziemlich locker und einfach, sodass das Buch schnell durchgelesen ist. Eine leichte und angenehme Sommerlektüre.

415 Seiten

Fischer (Tb.), Frankfurt (5. Mai 2011)

9,99 Euro

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