Drei Frauen, drei Leben, ein Schicksal

Vor allem die großartige Besetzung und deren schauspielerische Leistungen sind es, die den Episodenfilm „Mütter und Töchter“ des kolumbianischen Regisseurs Rodrigo García sehenswert machen. Von dem einen Moment, der dein Leben verändert, erzählt dieser Film. Nur das dieser „Moment“ nicht nur ein Leben für immer verändert.

Mit der Zeit sucht Karen sich ihre Familie selbst. © Universum Film

14 und schwanger? Das Baby muss weg.
Gerade einmal vierzehn Jahe alt war Karen, als sie schwanger wurde und ein Kind zur Welt brachte. Da erstaunt es eigentlich nicht, dass ihre Mutter – in diesem Alter ja auch gesetzlicher Vormund – sich für eine Adoption entschied. Doch diese Trennung von ihrem Kind und das darauf folgende nie endende Misstrauen ihrer Mutter machten aus Karen ein verschlossene, einsame und unglückliche Frau Anfang 50. So recht scheint sie niemandem vertrauen zu können. Auch nicht Paul, diesem netten leicht angegrauten neuen Kollegen, der sich so sehr um sie bemüht.

Elizabeth sucht noch ihren Platz im Leben. © Universum Film

Elizabeth nimmt sich das, was sie zu brauchen glaubt in ihrem Leben – ohne große Rücksicht auf Verluste. Egal ob das ein neuer Job, oder der nette Nachbar mit der schwangeren Frau ist. Allerdings hat auch sie ein Problem mit dem Vertrauen. Als adoptiertes Kind fehlen ihr die Wurzeln und es gelingt ihr nie so recht selbst welche zu schlagen. Kein Wunder, dass ihre einzige Vertraute ein blinder Teenager wird. So werden Elizabeths – den Namen hat sie sich übrigens selbst gegeben – Probleme, sich in der Welt und unter den Menschen wirklich zurecht zu finden, auf interessante Weise gespiegelt. Im Gegensatz zu vielen anderen kompliziert verwobenen Episodenfilmen ist von Anfang an klar: Elizabeth ist Karens Tochter! Was offen bleibt sind die Fragen: Werden sie endlich nach einander suchen? Werden sie sich finden? Werden sie es schaffen in ihrem eigenen Leben anzukommen? 

Endlich Mutter! © Universum Film

Ich will ein Baby!
Parallel dazu entwickelt sich der dritte Handlungsstrang, der lange keinen Bezug zu den beiden anderen zu haben scheint. Lucy und ihr Mann wollen unbedingt ein Baby, doch leider klappt es nicht so einfach. Die beiden entscheiden sich für eine Adoption und bald scheint auch eine geeignete Kandidation gefunden. Doch da kommen Lucys Mann, angestachelt durch seine Mutter Zweifel. Eigentlich will er doch ein Kind von sich selbst …

„Mütter und Töchter“ heißt der Film in Deutschland und ja es sind vor allem diese Kombinationen die in manigfaltigen Variationen vorgeführt und durchexertiert werden. Dennoch ist auch die ein oder andere Vater-Tochter oder Mutter-Sohn Konstellation mit interessanten weiteren Aspekten dabei. Ruhig und realistisch, wenngleich oftmals bedrückend nimmt einen dieser Film für sich ein. Er erzählt von Bindungsproblemen, Urängsten und davon, dass man seine Lebenszeit nutzen soll Vor allem das großartig aufspielende Schauspielerensemble macht den Film zu einem echten Geheimtipp – nicht nur, aber auch für Mütter und Töchter.

MOTHER AND CHILD, USA/Spanien 2010

Regie, Buch: Rodrigo García

Darsteller: Naomi Watts, Annette Bening, Kerry Washington, Jimmy Smits, Samuel L. Jackson, David Morse.

Universum, 126 Minuten


Stand: Herbst 2011

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