Menschen des 21. Jahrhunderts: Joscha Kiefer, Kommissar beim Jubilar

Joscha Kiefer absolvierte eine Ausbildung an der Internationalen Schauspielakademie CreArte in Stuttgart. Er spielte unter anderem in der ARD-Vorabendserie Verbotene Liebe. Außerdem war er in erfolgreichen Serien wie Um Himmels Willen und Hubert und Staller an der Seite von Christian Tramitz zu sehen. In der ZDF-Serie SOKO 5113 spielt er derzeit eine der Hauptrollen als Kriminalkommissar Dominik Morgenstern. Deutschlands älteste Krimiserie „SOKO 5113“ feiert ihr 35.jähriges Dienstjubiläum beim ZDF – Die 500. Folge ist am Montag, den 25. März, um 18.05 Uhr im ZDF zu sehen.

Joscha Kiefer
© Kris Dörfer

1. Was an Ihrer Arbeit hat Sie heute glücklich gemacht?
Es gibt gute und schlechte Tage, wie wahrscheinlich in jedem Beruf. Aber wenn ich so darüber nachdenke, muss ich schmunzeln, weil es tatsächlich an jedem Tag in meinem Job zumindest eine Sache gibt die mich, egal in welcher Hinsicht, glücklich macht. Heute war es zum Beispiel ein gutes Gespräch mit meinem Regisseur.

2. Welche Ziele haben Sie noch in Ihrem Leben?
So einige. Und ich denke, dass ich meine Ziele immer dann, wenn ich etwas erreicht habe, noch ein Stück höher stecken werde. Dadurch bleibe ich immer ehrgeizig und arbeite an mir.

3. Welchen Beruf haben Sie sich als Kind als den Aufregendsten vorgestellt?
Ich dachte Archäologe muss ein aufregender Beruf sein. So mit Hut und Ausrüstung durch scheinbar verlassene Ruinen rennen. Das wäre schon was…

4. Was ist die größte Veränderung in Ihrem Leben in den letzten Jahren gewesen?
Ich bin Vater geworden und habe geheiratet. Das lässt einen anders in die Zukunft schauen. Wenn man merkt, dass man nicht mehr nur für sich selbst verantwortlich ist, verschiebt sich die Perspektive.

5. Was hat Ihre Karriere am meisten beschleunigt?
Mein Agenturwechsel 2007. Das war das Beste, was mir in meiner Karriere hätte passieren können. Man muss denjenigen treffen, der einen fördert und an einen glaubt. Vielen Dank auf diesem Wege, Sascha Wünsch.

6. Wie sind „Harte Arbeit“ und „Glück/Zufall“ als Grundlage Ihres Erfolges verteilt?
Harte Arbeit und Glück sind, denke ich zu gleichen Teilen verteilt, weil das eine ohne das andere nicht funktioniert. Es gehört natürlich immer eine Portion Glück dazu, seine Ziele zu erreichen. Aber ohne harte Arbeit und Ehrgeiz ist Glück allein eben nur halb so viel wert.

7. Was gibt Ihnen am meisten Kraft bei der Arbeit?
Meine Kollegen geben mir die meiste Kraft. Es macht Spaß mit einem erfahrenen Team zusammenzuarbeiten, auf das man sich immer verlassen kann.

8. Welche berufliche Panne ist Ihnen am nachdrücklichsten in Erinnerung geblieben?

9. Was bedeutet es für Sie, zu scheitern?
Leider kann ich damit weniger gut umgehen. Wenn ein Tag nicht so gut gelaufen ist, hängt mir das noch tagelang nach. Ich bin Perfektionist. Ich muss lernen besser mit Niederlagen umzugehen, weil es gefährlich wird, wenn man das nicht verarbeiten kann.

10. Worauf sind Sie beruflich stolz?
Mir bei meinem Spiel immer treu geblieben zu sein und mich nicht ständig zu verändern, wenn ein Regisseur kommt und das Rad neu erfinden will.

11. Was hat Ihnen Ihre Ausbildung an der Internationalen Schauspielakademie für Ihren Beruf gebracht?
Sie hat mir das Handwerk näher gebracht aber auch gleichzeitig versäumt mich auf das Leben da draußen vorzubereiten. Es ist toll, wenn man etwas lernt und merkt, dass eine Entwicklung stattfindet. Auf der anderen Seite darf man sich aber nicht zu sehr in dem Mikrokosmos einer Hochschule vergraben. Wenn man das tut, wird einem der Start in den Beruf sehr schwer fallen.

12. Woran können Sie verzweifeln?
An einem Text, der mir beim besten Willen nicht in den Kopf will. Dann muss ich mich 2-3 Tage damit beschäftigen, damit er richtig sitzt. Auf der anderen Seite gibt es Texte, sogar richtige Monologe, die so gut geschrieben sind, dass man einmal drüber schaut und sie schon verinnerlicht hat.

13. Welche Rolle ist Ihnen bisher am schwersten gefallen?
Es kommt immer auf eine gute Vorbereitung an. Wenn ich weiß, dass ich eine schwierige Rolle zu spielen habe, bereite ich mich, wenn es die Zeit zulässt, sehr lange darauf vor, um sie so überzeugend wie möglich zu verkörpern.

14. Welche Figur/Rolle würden Sie gerne einmal spielen?
Ich würde gern einmal keine fiktive Figur spielen sondern mich an wahren Begebenheiten orientieren. Forschen, analysieren, interpretieren.

15. Was vermuten Sie, wie würden Ihre Kollegen Sie beschreiben, wenn Sie nicht im Raum sind?
Darüber mache ich mir eigentlich keine Gedanken. Aber ich hoffe natürlich positiv 😉

16. Haben Sie Vorbilder und wenn ja, was haben Sie von diesen gelernt?
Gelernt wäre übertrieben. Aber Kurt Cobain hat mich zum Beispiel dazu inspiriert mit dem Gitarre Spielen anzufangen. Ein großes Vorbild für mich ist außerdem meine Mutter, die immer für uns 3 Kinder da war und uns für die Welt da draußen so gut es ging vorbereitet hat.

17. Was schätzen Sie besonders an Kollegen?
Ehrlichkeit und Humor.

18. Wie verbinden Sie Karriere und Leben miteinander?
Man könnte sagen, dass die Schauspielerei im gewissen Sinne mein Leben ist. Ich kann zum Beispiel nicht aufhören, Verhaltensweisen und Mimik anderer Leute zu studieren. Auch wenn ich also gerade nicht drehe, bin ich doch immer bei der Arbeit. Das bedeutet aber nicht, dass ich meine private Zeit ständig mit Arbeiten verbringe. Es ist einfach eine Berufung.

19. Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?
Schwierige Frage. Ich schätze, dass sich das ergeben wird. In meinem Beruf können sich so viele Dinge ergeben und Sachen geschehen. Und das ist auch das Schöne daran.

20. Wenn Sie unseren Lesern einen Rat geben könnten, wie würde dieser lauten?
Ich würde jedem dazu raten, sich in jedem Fall und immer treu zu bleiben.

21. Vollenden Sie bitte den Satz „Wichtiger als Karriere ist …
Glücklich zu sein.“

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